ARCH+ 231


Erschienen in ARCH+ 231,
Seite(n) 96-101

ARCH+ 231

Land der freien Kräfte

Von Schumacher, Patrik

Arno Brandlhuber: Patrik Schumacher,  Sie sind in Westdeutschland aufgewachsen und haben in einer Zeit großer politischer Veränderungen studiert: die Veränderungen der vom Konsens getragenen Nachkriegszeit der Bonner Republik und die Revolutionen in Osteuropa, die schließlich zur Wiedervereinigung Deutschlands führten. Was sind Ihre Erinnerungen und wie sehen Sie diese Zeit heute? 
 
Patrik Schumacher: Ich bin in einem Diplomatenviertel in Bonn aufgewachsen. In meiner Jugend habe ich mich nicht besonders für Politik interessiert – für mich war es einfach ganz normal, in der Nähe politischer Institutionen zu leben. Ich habe zunächst in Bonn Mathematik und  Philosophie studiert, bevor ich Anfang der 1980er-Jahre in Stuttgart zur Architektur wechselte und 1987 nach London ging. Zu diesem Zeitpunkt war ich bereits politisiert und interessierte mich zunehmend für  den Marxismus und die politische Linke.  Ich sympathisierte mit verschiedenen trotzkistischen Organisationen und wurde zu einem Semi-Aktivisten. Wir debattierten über die Veränderungen in Osteuropa,  die Idee, den Ostblock zu reformieren, und den Marktsozialismus. Das war alles vor dem Zerfall der Sowjetunion und den  Ereignissen, die sich in der DDR abspielen sollten. 
Ich war elektrisiert von den Veränderungen in Deutschland. Ich war zufällig in Berlin, als die Mauer fiel und sah, wie die Menschen aus Osteuropa in die Stadt  strömten. Erst wenige Monate zuvor war  ich nach Ost-Berlin gefahren, um die Marx-Engels-Gesamtausgabe zu kaufen.
Nachdem ich eine Zeit in London  gelebt hatte, kehrte ich nach Berlin zurück,  weil ich von den Veränderungen und  der Dynamik der neuen Republik begeistert war. Ich lebte zwei Jahre dort und war zu dieser Zeit noch sehr linksorientiert. 
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