ARCH+ 231


Erschienen in ARCH+ 231,
Seite(n) 192-199

ARCH+ 231

Das Recht auf Welt

Von Nevins, Joseph

Am Weltflüchtlingstag des Jahres 2016, dem 20. Juni, wurde vom Amt des Hoch-kommissars der Vereinten Nationen für Flüchtlinge (UNHCR) bekannt gegeben, dass die Zahl der gewaltsam Vertriebenen – darunter fallen Flücht-linge, Asylsuchende und innerhalb ihrer Länder Vertriebene – bis Ende 2015 auf mehr als 65 Millionen Menschen, und damit auf den höchsten Wert seit der Gründung des Hochkommissariats, gestiegen war.1 Dabei handelte es sich sogar um konservative Zahlen, da das UNHCR in seinem Verständnis des Wortes ‚gewaltsam‘ der engen Auslegung des internationalen Flüchtlingssystems folgt, in dem ein Flüchtling als jemand definiert ist, der vor politischer Verfolgung oder physischer Gewalt flieht. Demgemäß sind Personen, die vor Not, Unsicherheit und Armut der alltäglichen Art – alltäglich unter den herrschenden politisch-wirtschaftlichen Verhältnissen ihrer Heimatländer – fliehen, lediglich Migranten, wohingegen Flüchtlinge dazu gezwungen sind, ihre Heimat zu verlassen.2 Lässt man die vom UNHCR unterstellte, allzu simple Vorstellung einer freien Entscheidung beiseite, so liegt die Zahl der – insbesondere grenzüberschreitenden – Migranten noch deutlich höher. Denn man muss auch jene einbeziehen, die ihre Heimatländer verlassen, weil die Zustände dort ein Leben, wie es in zahlreichen internationalen Menschenrechtskonven-tionen als angemessen betrachtet wird, unmöglich machen.

Mit Illustrationen aus Handbook of Tyranny von Theo Deutinger, erschienen bei Lars Müller Publishers

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