ARCH+ 232


Erschienen in ARCH+ 232,
Seite(n) 12-13

ARCH+ 232

Rights on Carpet

Von Herz, Manuel

Alle Menschen sind gleich, unabhängig von Geschlecht, Religion, ethnischer Zugehörigkeit, politischer Einstellung oder Nationalität. Dieser Gedanke bildet die Grundlage diverser Menschenrechtskonventionen. Trotz  jahrhundertelanger Kämpfe gelten diese Rechte immer noch nicht für alle. Ihre mangelhafte Durchsetzung ist einer der Gründe für die weltweiten Migrationsbewegungen, aber auch für Intoleranz und Diskriminierung gegenüber Minderheiten im Alltag.

Um sich der Existenz und des Inhalts der Rechte bewusst zu werden, sind auf dem von Manuel Herz gestalteten Teppich die Genfer Konventionen (1864, 1906, 1929 und 1949), die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte (1848), das Abkommen über die Rechtsstellung der Flüchtlinge (1951) und der Internationale Pakt über wirtschaftliche, soziale und kulturelle Rechte (1976) buchstäblich eingeschrieben.

Der Teppich stellt den aus der westlichen Aufklärung hervorgegangenen Menschenrechtskanon bewusst in ein Spannungsfeld mit nicht-westlichen Kulturräumen und -praktiken: Das Ablegen der Schuhe, die zum Lesen geneigte Körperhaltung, das Sitzen auf dem Boden und nicht zuletzt die Metapher des Gebetsteppichs erzeugen einen symbolischen Raum, der nicht nur zum Nachdenken über die Allgemeingültigkeit der Menschenrechte einlädt, sondern auch die Besucherinnen und Besucher daran erinnert, dass diese Rechte eine Kulturleistung sind, die wie ein Ritual immer wieder eingeübt und verinnerlicht werden müssen.

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