ARCH+ 232


Erschienen in ARCH+ 232,
Seite(n) 102-105

ARCH+ 232

Torre David

Von Urban-Think Tank (U-TT)

Der Torre David ist eine 45-geschossige Bauruine inmitten der venezolanischen Hauptstadt Caracas. Mitte der 1990er-Jahre begann der venezolanische Finanzmogul David Brillembourg mit dem Bau des nie vollendeten Hochhauses, das ursprünglich als Bankzentrale dienen sollte. Als die Wirtschaft des Landes später infolge einer Bankenkrise am Boden lag, wurde das Projekt von der Regierung übernommen, jedoch nicht zu Ende geführt. Nach fast einem Jahrzehnt des Leerstands richteten sich rund 1.300 Menschen darin ein provisorisches Zuhause ein. Sie besetzten das Gebäude acht Jahre lang, bis es 2014 geräumt wurde.

Da es im Torre David weder Aufzüge noch Strom- und Wasseranschlüsse gab, waren seine Bewohner*innen aufeinander angewiesen und mussten ihr Leben in der vertikalen Favela, der höchsten der Welt, gemeinsam organisieren. Mit Erfindungsgeist und Improvisation schufen sie demokratische Strukturen für die Regelung ihrer gemeinschaftlichen Angelegenheiten und richteten Ladengeschäfte, Werkstätten, eine Kapelle, einen Kindergarten und ein Fitnessstudio ein. Ohne die weiterhin harten Lebensbedingungen zu negieren, steht die informelle Adaption einer formalen Anlage doch sinnbildlich dafür, wie kollektiver Ideenreichtum städtischen Mängeln Abhilfe schaffen kann.

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