ARCH+ 232

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Erschienen in ARCH+ 232,
Seite(n) 110-111

ARCH+ 232

PRODUKTION und REPRODUKTION

Von ARCH+

Bis heute wird die Gestaltung des städtischen wie des häuslichen Raums vom Dogma der Funktionstrennung der Moderne bestimmt, vor allem der Trennung in Arbeiten und Wohnen, Produktion und Reproduktion. Der Bereich der Reproduktion – in der marxistischen Terminologie all das, was der Aufrechterhaltung und beständigen Neuschaffung der Arbeitskraft dient – wird üblicherweise der privaten Sphäre zugeordnet. Diese Zuordnung basiert traditionell auf der Genderpolitik der häuslichen Arbeit. Um sie zu überwinden und neue kollektive und kooperative Formen des Arbeitens und Lebens zu erreichen, ist es unerlässlich, das Spannungsfeld von Produktion – Reproduktion zu untersuchen.

Als Reaktion auf die negativen Auswirkungen der modernen, arbeitsteiligen Gesellschaft wurden bereits im frühen 19. Jahrhundert neue Vorstellungen von Gemeinschaft und alternative Wohn- und Arbeitsformen entwickelt. So zielten die Modelle des utopischen Sozialismus darauf ab, das Individuum von den bürgerlichen Zwängen zu befreien und die Frau von der Bürde der reproduktiven Arbeit zu entlasten. Die These, dass nur über die Vergesellschaftung der Reproduktionsarbeit und räumliche Reorganisation der häuslichen und städtischen Umwelt die gesellschaftliche Realität entscheidend verändert werden kann, wird später von den „materiellen Feministinnen“ wieder aufgegriffen. Heute ist die Idee, dass Fürsorge eigene Räume hervorbringt, wieder aktuell.

Wie können neue, gemeinschaftliche (Re-)Produktionsmodelle bestehende gender-, bio- und raumpolitische Hierarchien infrage stellen? Wie kann das Verhältnis von Architektinnen, Auftraggeber und Nutzerinnen als gemeinsames Sorgetragen für die Lebenswelt, als Prozess des Gemeinschaffens verstanden werden?

Modelle:

01 Tukano Maloca: Sebastian Georgescu, Stefan Neumaier (TU Berlin), 2018

02 Dragon Court Village: Sarah Bau, Mirko Hahn, Gerrit Jasper, Selina Schlez (TU Berlin), 2018

03 Wassersiedlung in Lagos: Miriam Möser, Canan Öztekin (TU Berlin), 2018

Alle Fotos: Simone Gilges © ifa (Institut für Auslandsbeziehungen)

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