ARCH+ 232


Erschienen in ARCH+ 232,
Seite(n) 116-120

ARCH+ 232

Reproduktionsarbeit

Von ARCH+ /  Gatti, Mirko

Kinderbetreuung, Altenpflege, Essenszubereitung 
und der tägliche Familienunterhalt – also all jene Arbeiten, die der Reproduktion der menschlichen Leistungsfähigkeit dienen – werden nach wie vor 
als Privatangelegenheit betrachtet. Reproduktionsarbeit wird bis heute in 
der gesamtwirtschaftlichen Rechnung nicht berücksichtigt und im individuellen Haushalt weitgehend von Frauen durchgeführt. 
Daher ist die Frage nach ihrer Organisation ein zentraler Punkt, wenn es 
um die offensichtlichen 
und immer noch ungelösten sozialen Ungleichheiten zwischen Männern und Frauen geht. Tief eingebettet in ein Wirtschaftssystem, das auf der Idee der 
Kernfamilie als Grundeinheit 
der Gesellschaft basiert, wurde die geschlechtsspezifische Arbeitsteilung von der modernen feministischen Bewegung systematisch in Frage gestellt. Diese Studie stellt einige wichtige Beispiele vor, die einen grundlegenden Gedanken teilen: Der Schlüssel zur Lösung 
des Problems der Reproduktionsarbeit liegt in der räumlichen Reorganisation des Verhältnisses zwischen dem häuslichen Bereich und jenem der Erwerbstätigkeit.

Das Phalanstère

Charles Fouriers anschauliche und detaillierte Beschreibung seines imaginären Phalanstère aus dem frühen 19. Jahrhundert ist bis heute unbestritten das einflussreichste Werk des utopischen Sozialismus. Dieses autonome Gemeinschaftsmodell war für 1.620 Mitglieder geplant, die alle in einem riesigen Gebäude mit Einzel- und Mehrpersonenwohnungen, gemeinsamen Wohn- und Essräumen sowie Bibliotheken, Schulen, Laboren und Werkstätten leben sollten. Das Phalanstère sollte gegliedert werden nach den Prinzipien des kollektiven Eigentums, der sozialen Solidarität, der Vergesellschaftung der Reproduktionsarbeit und der sexuellen Freiheit, gemäß dem, was Fourier als Gesetz der leidenschaftlichen Anziehung bezeichnete. Die Ehe und das Prinzip der Kernfamilie sollten abgeschafft werden. Vor allem in der „Neuen Welt“ entstanden im Laufe des 19. Jahrhunderts mehrere von diesen Prinzipien abgeleitete utopische Gemeinschaften. Trotz ihrer hehren Absichten sind die meisten dieser Siedlungen an alltäglichen Problemen, schwer lösbarer Kirchturmpolitik und der autoritären Bevormundung durch ihre Gründer gescheitert.

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