ARCH+ 232


Erschienen in ARCH+ 232,
Seite(n) 122-127

ARCH+ 232

Caring: Die räumliche Dimension der Sorgearbeit

Von Trogal, Kim

Ich möchte in diesem Aufsatz die Sorgearbeit (care) im Zusammenhang mit der Produktion von Architektur und Raum diskutieren. Im Fokus steht dabei sowohl die räumliche Dimension der Sorgearbeit als auch die Frage, wie Fürsorge als Praxis unterschiedliche Raumkonzeptionen umfasst. Ausgehend von den Ansätzen feministischer Vordenker*innen und Aktivist*innen, hier insbesondere Maria Mies, Veronika Bennholdt-Thomsen, Silvia Federici und der Architektin Leslie Kanes Weisman, untersuche ich, wie solche Konzepte die vorherrschenden Wertesysteme, die die Sorgearbeit marginalisieren und sogar negieren, geprägt haben. Ich möchte damit verdeutlichen, wie wichtig es ist, Fürsorge als Teil der architektonischen Praxis zu verstehen, um so die entscheidende, aber häufig übersehene Beziehung zwischen Raum, Architektur und Sorgearbeit hervorzuheben. 

Auf der einen Seite haben Raumkonzepte Auswirkungen auf die Sorgearbeit, auf der anderen Seite schafft sie auch selbst Räume und Beziehungen. Sie ist damit eine Form der Raumproduktion. Ich betrachte kollektive Praktiken des Sorgetragens, um der Frage nachzugehen, wie sie unterschiedliche Architekturen sowie verschiedene räumliche Konzepte und Praktiken hervorgebracht haben, darunter Gemeingüter und gegenseitige Hilfe. Für Nel Noddings produzieren diese Formen der Fürsorge „Kreise“: Wir sorgen für diejenigen, die uns nahestehen, Sorge setzt einen „Kreis“ der Nähe voraus. Daher diskutiere ich auch, wie aktuelle Raumpraktiken über einen solchen Kreis der unmittelbaren Nähe 
hinaus wirken können. Es geht dabei um die Frage, wie Sorgearbeit in der räumlichen Praxis transversale Verbindungen quer durch unterschiedliche gesellschaftliche und kulturelle Gruppen schaffen kann. Und darum, wie durch das Sorgetragen „translokale“ Verbindungen entstehen können, damit daraus keine exkludierenden und lokal beschränkten Praktiken hervorgehen.

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