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ARCH+ 232


Erschienen in ARCH+ 232,
Seite(n) 140-145

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Kalkbreite

Von Müller Sigrist Architekten

Die Genossenschaft Kalkbreite bietet im Kampf gegen steigende Mieten 230 Personen in der Züricher Innenstadt bezahlbaren Wohnraum. Angesichts des Risikos, dass aus gemeinschaftlichen Wohnprojekten gated communities werden, bemüht sich die Kalkbreite bewusst um wirtschaftliche, kulturelle und ethnische Vielfalt, die die demografische Zusammensetzung der Stadt widerspiegelt. 2015 waren 8 Prozent der Züricher Stadtbevölkerung auf Sozialleistungen angewiesen. Ein entsprechender Anteil an den Wohnungen der Kalkbreite ist daher subventioniert und wird über Gewerbeeinheiten in den unteren Geschossen und einen Solidaritätsfonds querfinanziert. In diesem Modell der Hyperlokalisierung sind Solidarität und bürgerliche Verantwortung gleichmäßig verteilt und werden innerhalb der Gemeinschaften auf Ebene des Wohnblocks gemeinsam wahrgenommen.

Wohnraum vor den freien Marktkräften zu schützen, hat in Zürich eine lange Tradition. Rund 18 Prozent des Wohnungsbestands sind im Eigentum von Wohngenossenschaften. Grund und Boden wird zu günstigen Bedingungen an Genossenschaften verpachtet, um ihnen den Bau und den Unterhalt bezahlbarer Wohnungen zu ermöglichen. Nach zwei großen Wellen des genossenschaftlichen Wohnungsbaus – Siedlungen in geringer Dichte in den 1920er-Jahren und Projekte in größerem Maßstab am Stadtrand in den 1950er- und 1960er-Jahren – geriet die Genossenschaftsbewegung im Zuge gesellschaftlicher und wirtschaftlicher Veränderungen sowie neoliberaler Ansätze in der Stadtverwaltung in den 1980er-Jahren in eine Krise. Mittlerweile erleben die Genossenschaften wieder eine Renaissance, wofür die Kalkbreite das bekannteste Beispiel ist.

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