ARCH+ 232


Erschienen in ARCH+ 232,
Seite(n) 156-161

ARCH+ 232

PlanBude Hamburg – der Prozess und die Tools

Von PlanBude

„Ich schreibe Gedichte, 
um zu erfahren wovon sie handeln.“ – Oleg Jurjew

Auch wenn es bisweilen banal klingt: Jedes PlanBuden-Tool ermöglicht es, sich mit einem Thema auseinanderzusetzen, in die Tiefe zu gehen – und damit über das Naheliegende, das Unmittelbare hinauszugehen. Vielleicht ist es die erste aller Voraussetzungen, den Aufbruch in unbekanntes Terrain zu wagen? Und vielleicht ist genau 
das auch der Moment der Wunschproduktion. Der Moment, in dem man sich aus dem Bekannten 
herausbewegt und noch nicht wieder auf der 
anderen Seite angekommen ist. David Bowie sagt: Der Moment, wenn du in 
einen See gehst, und deine Füße den Boden nicht
mehr berühren. Genau da fängt es erst an. 

Es gibt diesen Moment des sich Einlassens – und 
ab diesem Moment ist es möglich ins Unbekannte aufzubrechen und Grundlegendes zu produzieren. Und vielleicht müssen wir uns genau dorthin erst einmal bewegen, bei dem Versuch eine Zukunft 
zu denken. Die Basis der Wunschproduktion ist es, diesen tieferliegenden Gedanken und Wünschen, aus denen Stadt werden kann, zum Ausdruck zu verhelfen und sie somit zu produzieren. Und diese Überlegungen müssen festgehalten werden – im Archiv. Einmal entdeckt, werden sie durch das Archivieren auf- und abrufbar, und damit handhabbar. Auf ihnen aufbauend können alternative Vorstellungen von Stadt und 
damit eine Zukunft des Städtischen gedacht werden.

Wie können Demokratie und alltägliches Handeln Raum werden? Dem von Gilles Deleuze und Felix Guattari geprägten Begriff der „Wunschmaschine“ entlehnt, setzt die Wunschproduktion mit allen zugänglichen Planungstools und der Konstruktion 
von Situationen auf das Unbewusste, auf das 
Utopische. Erst indem wir über das Direkte hinausgehen und grundsätzlich werden, nach dem Situativen fragen und Situationen herstellen, kommen wir zu dem Punkt, an dem „[…] die Möglichkeit der Beziehungen wachsen, Manöver und Taktiken beginnen zu wuchern. Selbst eine kleine Ansammlung von Gebäuden kann dramatisch sein 
und als Raum stimulieren.“

Was heißt Übersetzen?

Von einem Ort kommend und zum anderen gehend. So könnte man „übersetzen“ im wortwörtlichen Sprachgebrauch erklären. Dazwischen – das, über das man hinübersetzt – ist häufig ein Fluss, ein See, ein anders beschaffenes Terrain. Nicht mit den eigenen Füßen zu überqueren. Wir brauchen etwas, das uns aufnimmt und auf die andere Seite bringt. Ein Gefährt, welches dies kann, ist die „Übersetzung“. Und es dient uns nicht nur in eine Richtung, sondern auch in die andere. Es erlaubt ein beliebig häufiges hin und her – zu benutzen von beiden Seiten und gleichsam als verbindendes Glied. Der Duden definiert übersetzen als etwas „(schriftlich oder mündlich) in einer anderen Sprache [wortgetreu] wiedergeben“. Es geht darum, den Kern einer Sache beizubehalten und gleichzeitig in eine andere Sprache und damit in eine eigene Zugänglichkeit zu transferieren.

Wir nutzen die Wunschproduktion, um eine Sprache zu entwickeln, die als Grundlage für die Formulierung einer Vorstellung von Stadt dienen kann, welche auf eben dieser Sprache von Vielen beruht. Sie erlaubt es, diese in eine Vielfältigkeit von Raum zu übersetzen, der wiederum vielfältige Formen von Aneignung, Nutzungsdefinitionen und Nutzungen von Vielen erlaubt. Dieser „Übersetzungskraft“ wollen wir in diesem Artikel auf den Grund gehen.

SSS Siedle Dornbracht Euroboden
Feedback erwünscht!