ARCH+ 232


Erschienen in ARCH+ 232,
Seite(n) 194-201

ARCH+ 232

Fünfzig Jahre Auroville – Eine wegweisende Laborstadt für die gemeinsame Zukunft der Menschheit

Von Kundoo, Anupama

„Auroville ist der ideale Ort für alle, die die Freude und Befreiung erfahren wollen, keinen persönlichen Besitz mehr zu haben.“

Lange bevor Le Corbusier und Louis Kahn ihre Beiträge zur indischen Architektur in Chandigarh und Ahmedabad leisteten, und auch lange bevor das Land seine Unabhängigkeit vom britischen Empire errungen hatte, wurde 1938 in Pondychéry (dem heutigen Puducherry), einer kleinen Enklave Französisch-Indiens 150 Kilometer südlich von Chennai, Indiens erstes modernes Bauwerk errichtet. Der spirituelle Führer Aurobindo Ghose und seine spirituelle Partnerin Mirra Alfassa, die besser unter dem Namen „Die Mutter“ bekannt war, wollten ein Dormitorium für die Angehörigen ihres rasch expandierenden Ashram errichten, das den neuesten Anforderungen entsprechen sollte. Sie beauftragten Antonin Raymond, einem ehemaligen Schüler von Frank Lloyd Wright, mit dem Entwurf. „Golconde“, so der Name des Gebäudes, setzte als erster Stahlbetonbau Indienseinen bis heute gültigen Standard.

Die Vision einer Stadt, „wie sie die Erde braucht“

Siebenundzwanzig Jahre später, im Jahr 1965, begann Mirra Alfassamit den Plänen für eine neue, nach Sri Aurobindo „Auroville“  benannte Stadt. Sie sollte der Erlangung der Einheit aller Menschen und der internationalen Verständigung dienen und gründete sich auf eine besondere Vision: dass es „irgendwo auf der Erde einen Ort geben [sollte], den keine Nation für sich beanspruchen kann und an dem alle Menschen guten Willens und reiner Absichten als freie Weltbürger leben können […]. Kurz, es sollte ein Ort sein, an dem zwischenmenschliche Beziehungen, die normalerweise fast ausschließlich von Wettbewerb und Kampf gekennzeichnet sind, durch Beziehungen abgelöst werden, bei denen man einander im Guten nacheifert und die auf Zusammenarbeit und wahrer Brüderlichkeit basieren.

1965 beauftragte Alfassa den Franzosen Roger Anger (1923–2008), der während der 1950er- und 1960er-Jahre einer der produktivsten Architekten in Paris war, mit dem Entwurf dieser Stadt. Seine unverwechselbare Architektursprache zeichnete sich durch ihre skulpturale Plastizität und ihre individualisierte, zeitlose Modernität aus.

SSS Siedle Dornbracht Euroboden
Feedback erwünscht!