ARCH+ 232


Erschienen in ARCH+ 232,
Seite(n) 210-213

ARCH+ 232

Western Sahara

Von Herz, Manuel /  Baan, Iwan /  National Union of Sahrawi Women

Die Auseinandersetzung um die Westsahara ist einer der letzten postkolonialen Konflikte Afrikas. Die ehemalige spanische Kolonie wurde im Jahr 1975 durch Mauretanien und Marokko besetzt, welches das Gebiet 1979 schließlich vollständig annektierte. Es begann ein Bürgerkrieg, vor dem die Mehrheit der westsaharischen Bevölkerung über die Grenze nach Algerien floh. Sie leben dort in Flüchtlingslagern, die heute etwa 160.000 Menschen beherbergen. Obwohl den nomadischen Sahrauis das Konzept des Nationalstaates traditionell fremd ist, und sie Kultur, Sprache und Religion mit ihren Nachbarn teilen, riefen sie als Reaktion auf ihre Deterritorialisierung im Februar 1976 die Unabhängigkeit der Westsahara aus. Die Organisation und Etablierung der Camps wurde von Frauen durchgeführt, während die Männer im Bürgerkrieg kämpften. Bis heute sind Frauen für Bildung, Handel und Handwerk verantwortlich. Rabouni, das erste Flüchtlingslager, wurde mit Parlament und Ministerien, aber auch Nationalarchiv und -museum, Krankenhaus und Schulen zur faktischen Hauptstadt ausgebaut. Algerien stellte lediglich das Land zur Verfügung, alle Baulichkeiten wurden von den Geflüchteten im Laufe der Jahre selbständig geplant und errichtet.

Die Sahrauis haben in einem Commoning-
Prozess eigene Institutionen aufgebaut und eigene Typologien entwickelt. Die neue bauliche Urbanität der Lager schafft es dabei, sehr gegensätzliche Fragestellungen zu behandeln, ohne sie einer einheitlichen Logik zu unterwerfen:

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