ARCH+ 232


Erschienen in ARCH+ 232,
Seite(n) 216-217

ARCH+ 232

Roofless

Von Hilal, Sandi

„Wenn wir einen Platz in unserem Flüchtlingslager 
bauen, dann sollte er geschlossen sein.“


Diese Forderung stellten 
die Bewohner*innen des Flüchtlingslagers Al Fawwar in der Nähe von Hebron 
an das Camp Improvement Program des UNRWA¹ zur Verbesserung der Lage in den Flüchtlingslagern. Ich leitete das Architektenteam während der Planung und des Baus eines öffentlichen Platzes in einem Wohnviertel des Lagers. Besonders nachdrücklich brachten 
sich mehrere Frauen in den partizipativen Gestaltungsprozess ein. Sie regten 
an, im Lager mehr sichere Räume zwischen den Häusern zu schaffen, wo die Kinder „unter den Augen ihrer Mütter“ spielen 
könnten. Die wenigen Erholungsflächen am Rande des Lagers werden hauptsächlich von männlichen Jugendlichen genutzt. Diese Räume – in der Regel von Mauern umgeben, nachts verschlossen und von Wachleuten geschützt – sind die einzige Vorstellung, die 
die Bewohner*innen des Lagers von einem öffentlichen Platz haben.

Flüchtlingslager sind politische Räume, und ihre gebaute Umgebung ist ein Symbol des politischen Kampfes. Wie lässt sich in einem solchen Ausnahmezustand ein öffentlicher Platz anlegen? In einer Situation, in der das Konzept von öffentlich und privat nicht existiert und in der jedes urbane Element, das an eine veritable Stadt erinnern würde, als Bedrohung wahrgenommen wird, da es den provisorischen Charakter des Lagers beeinträchtigen und damit das Rückkehrrecht der Geflüchteten infrage stellen könnte? Vor diesem Dilemma stehen die Geflüchteten, seit sie gezwungen waren, ihre Zelte durch Häuser zu ersetzen.

Mehr als sechzig Jahre nach der Nakba – der Vertreibung des palästinensischen Volkes nach der Gründung des Staates Israel – saß ich mit unserem Architektenteam und einer Gruppe besorgter Geflüchteter zusammen und fragte mich, was der Bau eines Platzes in einem Flüchtlingslager bedeuten könnte:

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