ARCH+ 233

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Erschienen in ARCH+ 233,
Seite(n) 9

ARCH+ 233

Geleitwort

Von Kurz, Philip

Seit Jahrhunderten wird in der Architektur normiert und vereinheitlicht, um Bauteile, Entwurfs- und Bauprozesse verlässlicher, effektiver und kostengünstiger zu machen. Im 20. Jahrhundert war es vor allem Ernst Neufert, der seit den 1930er-Jahren mit seiner Bauentwurfslehre das Bauen und damit Heerscharen von Architekten und deren Ausbildung beeinflusste. Dass Neuferts Anspruch, das Maß aller Dinge vorzugeben, nicht nur auf Gegenliebe stieß, verwundert nicht. So wurde ihm vorgeworfen, er behindere den kreativen Entwurfsprozess. Sein nach Form und Norm regulierter Funktionalismus konnte sich nicht durchsetzen. Baunormen tragen wesentlich dazu bei, Qualitätsstandards zu sichern und prägen weltweit Produkte und Prozesse. Vorbehaltlose Erfüllung von Normen beeinträchtigt jedoch auch Ideen abseits der Norm, die neue, qualitativ gleichwertige oder gar bessere Lösungen befördern können. Oft werden neue Erkenntnisse erst aus dem Zusammen-spiel von präziser Wahrnehmung, umfassendem Begreifen, abstrakt-logischem, bestimmten Mustern folgendem Denken und kreativem Entwurfs-prozess gewonnen. Diese Ambivalenz aufzuzeigen, die Wirkungsgeschichte der „Norm-Architektur“ von der Aufklärung bis ins heutige Zeitalter der Digitalisierung und Rationalisierung zu verdeutlichen, war Ziel des Symposiums „Norm-Architektur. Von Durand zu BIM“, einer Kooperation der Universität Kassel mit dem Deutschen Architekturmuseum und der Zeitschrift ARCH+. Die Wüstenrot Stiftung hat mit Freude dazu beigetragen, dass dem Thema „Norm-Architektur“ mit dem Symposium und der vorliegenden Dokumentation ein großes Forum gegeben wurde. Mit der Veröffentlichung verbinden wir die Hoffnung und den Wunsch, viele Anregungen für eine intensive Auseinandersetzung mit „Norm-Architektur“ zu geben. Nicht zuletzt, weil Normen zu jeder Zeit den technischen, vor allem aber gesellschaftlichen Wandel widerspiegeln und damit die Rolle und das Bild des heutigen Architekten beeinflussen.

 

Philip Kurz, Geschäftsführer der Wüstenrot Stiftung

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