ARCH+ 233


Erschienen in ARCH+ 233,
Seite(n) 32-37

ARCH+ 233

Jean-Nicolas-Louis Durand – Standardisierung und Typus in der Architektur

Von Picon, Antoine

Jean-Nicolas-Louis Durand (1760–1834) nimmt in der Historiografie der Architekturtheorie eine recht einzigartige Stellung ein, nämlich die eines Denkers mit fragwürdigen, ja geradezu verwerflichen Ideen. In den Augen phänomenologisch geprägter Historiker wie Joseph Rykwert oder Alberto Pérez-Gómez ist er ganz eindeutig ein Bösewicht. Das ist vor allem seiner Entschlossenheit geschuldet, den architektonischen Entwurf zu standardisieren. Diese Bemühung wird besonders in seinen Vorlesungen deutlich, die er in den ersten Jahrzehnten des 19. Jahrhunderts an der École polytechnique hielt, einer Schule, die 1794 als Ausbildungsstätte für die Technikerelite der französischen Nation gegründet worden war. In seinem erstmals in den Jahren 1802–1805 erschienenen Werk Précis des leçons d’architecture données à l’École polytechnique (Kompendium der Architekturvorlesungen an der École polytechnique), einer Zusammenfassung der Kernideen seiner Lehre, zeigt sich die ganze Tragweite dieses Bestrebens.

Durands Ansatz ist in mehrfacher Hinsicht interessant und lässt sich erst im historischen Kontext verstehen. Sein Vorhaben der architektonischen Standardisierung steht in einer komplexen Beziehung zum allgemeinen kulturellen Umfeld an der Schwelle vom 18. zum 19. Jahrhundert und kann nicht ohne das Rationalisierungsbestreben der Aufklärung verstanden werden, das seinerseits eng mit der Philosophie und Wissenschaft dieser Epoche verbunden ist.

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