ARCH+ 233


Erschienen in ARCH+ 233,
Seite(n) 38-43

ARCH+ 233

Die Ökonomie des Klassizismus – Über die Verbreitung des Beaux-Arts-Systems

Von Sadighian, David

„Das Besondere unserer École lässt sich mit einem Wort beschreiben: liberal; sie ist die liberalste Schule auf der ganzen Welt.“ Dies verkündete stolz Julien Guadet, Professor für Architekturtheorie an der Pariser École des Beaux-Arts, im ersten seiner vierbändigen Sammlung von Vorlesungen, Éléments et théorie de l’architecture (1901–04). Guadets Loblied auf seine Schule entbehrte nicht einer gewissen Hybris, wurde jedoch gestützt vom internationalen Ruf, den die École genoss.

Guadets Bücher versuchten zu einer Zeit, als die Zahl der Zulassungen in der Architekturabteilung anstieg, um die wachsende Nachfrage ausländischer Studenten zu befriedigen, die „unbestreitbaren“ Elemente des Entwerfens festzuschreiben und den Studenten innerhalb und außerhalb der Ateliers der Schule am Rive Gauche zu vermitteln. In der Tat wurden seine Éléments in Europa wie in Nord- und Südamerika stark rezipiert und fanden sich sowohl in den Bibliotheken der Architekturhochschulen als auch in den Regalen der Architekturbüros. Bald wurden Übersetzungen und Mitschriften von Guadets Vorlesungen veröffentlicht, die die besondere Lehre der École des Beaux-Arts weithin bekannt machten. Die Verbreitung der Beaux-Arts-Methode veränderte den Diskurs auf fundamentale Weise, was in einer ganzen Reihe von Büchern zur Entwurfslehre bis in die 1950er-Jahre spürbar blieb.

...

SSS Siedle Dornbracht Euroboden
Feedback erwünscht!