ARCH+ 233


Erschienen in ARCH+ 233,
Seite(n) 80-87

ARCH+ 233

Komplexitätsmanagement

Von Drobnik, Michael /  Riegas, Steffen /  Herzog & de Meuron /  Ngo, Anh-Linh /  Nehmer, Alexandra

Das 16-köpfige Design Technologies Department von Herzog & de Meuron unterstützt die Projektteams des Büros bei der Anwendung digitaler Technologien. Die Tätigkeitsbe­­reiche umfassen neben BIM- und CAD-Programmen auch den Bereich Visualisierung und digitale Fabrikation. Das ausschließlich aus Architekt*innen bestehende Team wendet jedoch nicht nur bestehende Software an, sondern pro­grammiert auch eigene Applikationen und  testet Einsatzmöglichkeiten neuer Techno­logien. Anh-Linh Ngo und Alexandra Nehmer sprachen mit zwei Mitarbeitern des Departments, Steffen Riegas und Michael Drobnik, über die Auswirkungen von BIM auf die Architekturproduktion.

 

Anh-Linh Ngo: Seit wann arbeitet das Design Technologies Department von Herzog & de Meuron mit BIM?

Steffen Riegas: Spätestens seit 2012 ist es zu einem festen Bestandteil bei uns ge­worden und hat immer mehr an Bedeutung gewonnen. Wir hatten aber weit früher damit experimentiert, die ersten Pilotprojekte haben wir bereits zehn Jahre zuvor, um die Jahrtausendwende angegangen.

Michael Drobnik: Diese waren damals nicht erfolgreich, weil es noch an dem notwendigen Wissen und Erfahrung fehlte, um es auf reale Vorhaben anzuwenden. Heute planen wir etwa ein Drittel unserer Projekte mit BIM, an denen aber rund 60 Prozent des Personals arbeiten.

 

ALN: Wovon hängt die Entscheidung ab, ob BIM bei einem Projekt eingesetzt wird?

MD: Immer häufiger haben wir gar keine Wahl, weil der Einsatz von BIM zunehmend von den Bauherr*innen gefordert wird. Aktuell sind wir beispielsweise bei den Basler Roche-Türmen beauftragt, mit BIM zu planen.

SR: In vielen Ländern, in denen wir tätig sind, ist es je nach Projekt inzwischen sogar gesetzlich vorgeschrieben, BIM einzusetzen. In der Schweiz und in Deutschland ist das noch nicht der Fall, aber beispielsweise in Großbritannien, Hongkong und den USA.

MD: Ein weiterer wichtiger Aspekt bei der Entscheidung ist unsere vertragliche Situation und damit unsere Rolle im Projekt – in der Schweiz oder in Deutschland arbeiten wir als Architekt*innen in allen Leistungsphasen, im Ausland sind wir oft nur mit dem Entwurf und der Begleitung der Aus­führung beauftragt und arbeiten eng mit Partnerbüros vor Ort zusammen. Wenn es keine entsprechende Vorgabe gibt, versuchen wir es gemeinsam mit den Bauherr*innen zu entscheiden. Bei manchen Projekten wollen wir BIM sogar mög-­
lichst vermeiden, bei anderen wiederum schlagen wir seine Verwendung selbst vor. So haben wir beim Neubau des Kinderspitals in Zürich aufgrund der Komplexität des Projekts zur Umsetzung mit BIM geraten.

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