ARCH+ 233


Erschienen in ARCH+ 233,
Seite(n) 98-105

ARCH+ 233

Was will die grafische Benutzeroberfläche?

Von Niquille, Simone C.

Projizierte Realität

Die computergenerierte Bilderzeugung, englisch abgekürzt CGI, steht vor einer ähnlichen Herausforderung wie die klassische Kartenprojektion, die mit dem Problem konfrontiert ist, dreidimensionale Koordinaten auf eine zweidimensionale Ebene zu übertragen. Es kommt dabei unweigerlich zu Verzerrungen, die unser Weltbild politisch und ideologisch prägen. Der Unterschied besteht darin, dass bei der CGI die Welt um uns herum mathematisch erfasst und in der binären Sprache des Computers nachgebildet wird. Anstatt eine zweidimensionale Projektion eines dreidimensionalen Objektes zu erstellen, versucht CGI vielmehr ein virtuelles dreidimensionales Objekt auf einem zweidimensionalen Bildschirm wiederzugeben. Die größte Herausforderung für CGI besteht darin, eine lebensechte menschliche Figur mit all ihren Unvollkommenheiten in der binären Umgebung eines Computers zu reproduzieren.

Frühe Versuche mit CGI reduzierten die menschliche Gestalt mathematisch auf einfache geometrische Formen. Mit zunehmender Rechenleistung begannen die Formen eine simple Anatomie anzunehmen, die zwar erkennbar menschlich war, deren Bewegungen und Aussehen jedoch weit davon entfernt waren, wirklich lebendig zu wirken. Diese frühen Modelle waren digitale Frankensteine: monströse menschliche Kopien, gelungene und zugleich gespenstische wissenschaftliche Experimente. Sie waren Bewohner einer mathematisch fehlerlosen Computerwelt, beraubt aller unberechenbaren Unvollkommenheiten, die das menschliche Leben ausmachen.

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