ARCH+ 233


Erschienen in ARCH+ 233,
Seite(n) 106-109

ARCH+ 233

Präzision, Objektorientierung, Simulation – Neue Standards durch Informationsmodellierung

Von Garber, Richard

Auf einer Peking-Reise erzählte ein Kollege vor Kurzem eine unterhaltsame, wenn auch beunruhigende Geschichte über den lokalen Einsatz von Software beim architektonischen Entwerfen. So wird bei Bauprojekten in China zunehmend die Verwendung von Building Information Modeling (BIM) gefordert, damit zusammen mit den finalen Plänen ein virtuelles Modell eingereicht werden kann. Viele chinesische Unternehmen, die sich mit diesen Technologien nicht auskennen, erarbeiten ihre Entwürfe jedoch einfach mit herkömmlichen zweidimensionalen CAD-Systemen und erstellen erst nachträglich ein dreidimensionales Modell. Dieses ist damit weder „live“ noch mit den Zeichnungen „vernetzt“, sondern lediglich ein statischer virtueller Datensatz.

Auch in den USA gab es in den letzten zehn Jahren einen steten Druck zur Einführung von BIM-Plattformen und den damit verbundenen Standards. In der Folge sind seitdem zahlreiche Architekturbüros an den Universitäten auf der Suche nach Studierenden, die „BIM können“, entweder weil sie an einem Projekt arbeiten, bei dem ein Modell gefordert wird, oder einfach aus dem Gefühl heraus, dass andere Büros in die Technologie investiert haben, warum also nicht auch sie. In gewisser Hinsicht ist das gar nicht so schlecht, aber es liegt auch ein Widerspruch darin, dem wir uns stellen müssen: Die meisten jungen Architekten sind im Umgang mit Software versiert, wissen jedoch wenig über das Bauen oder darüber, in welcher Beziehung die digitalen Tools dazu stehen. In der Folge hat sich an manchen Fakultäten ein Ansatz des „so tun, als ob“ herausgebildet, der sich in unpräzisem Arbeiten in der (zunehmend) digitalen Umgebung äußert, in der man sich beim Entwerfen bewegt.

Auch wenn es sich hierbei auf den ersten Blick um zwei unterschiedliche Trends in Zusammenhang mit Modellierungstools handelt, haben beide mit fehlender Konzeptualisierung der Tools selbst und ihres Einsatzes in der architektonischen Entwurfsarbeit zu tun. Aus der Sicht von jemandem, der sich immer mit der Beziehung zwischen der Profession – im weiteren Sinne dem Bauen – und den dafür eingesetzten Hilfsmitteln beschäftigt hat, ist nicht ganz klar, was schlimmer ist. In jedem Fall zeugen diese Beispiele von einem lediglich instrumentellen – und letztlich konsumistischen – Interesse, das sich vorrangig auf die neue Technologie „BIM“ richtet und nicht auf den Einsatz neuer digitaler Werkzeuge für eine frische und kreative Auseinandersetzung mit gestalterischen Problemen.

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