ARCH+ 233


Erschienen in ARCH+ 233,
Seite(n) 142-147

ARCH+ 233

Normierung im Praxistext – Arbeit und Normierung im Großbritannien der Nachkriegsmoderne

Von Wall, Christine

Der Begriff der Normierung ist tief in der Rhetorik der Moderne verankert. Mit dem Fortschrittsgedanken verbunden, verbreitete er sich im 20. Jahrhundert zunehmend im Architekturdiskurs. In Großbritannien wurden die Grundlagen dafür bereits zu Beginn des 20. Jahrhunderts geschaffen, einer besonders fruchtbaren Zeit für Experimente und Forschung in den Bereichen Vorfertigung und Normierung. In den 1930er-Jahren nahm die fabrikmäßige Vorfertigung von Bauteilen und Komponenten zu.

In diesem Zusammenhang wurde die Maßkoordination normierter Bauteile als wichtiger Faktor zur Steigerung der Wirtschaftlichkeit im Bau­sektor angesehen. Auf nationaler Ebene führte Frankreich bereits 1942 das erste normierte Modul ein; 1945 folgte die American ­Standards Association mit umfassenden Normen zur Maßkoordinierung von Baustoffen und Bauteilen; auch Schweden, Belgien und Italien setzten ähnliche Normen durch. Einen anderen Weg schlug Deutschland Ende der 1930er-Jahre mit der Einführung des oktametrischen Systems von Ernst Neufert ein, das auf einem Standardziegel als Modul basierte. Großbritannien hinkte dieser Entwicklung hinterher.

Erst die Krise beim Wiederaufbau in der Nachkriegszeit rückte die Forschungen aus der Vorkriegszeit zu diesem Thema wieder in den Mittelpunkt. Der enorme Wohnungsmangel erforderte eine Massenproduktion, die wiederum die Rationalisierung und Normierung des Planungs- und Bauprozesses sowie der Bauteile ­notwendig machte. Die Debatten um Normierung dominierten in dieser Zeit den Architekturdiskurs.

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