ARCH+ 233


Erschienen in ARCH+ 233,
Seite(n) 200-207

ARCH+ 233

Der Grenfell-Tower-Brand und das Versagen der Bauordnung

Von Apps, Peter /  Barnes, Sophie /  Barratt, Luke

Neun Monate nach der Brandkatastrophe, die das 24-geschossige Wohnhochhaus Grenfell Tower am 14. Juni 2017 im Londoner Stadtteil North Kensington zerstörte und 72 Opfer forderte, befindet sich die Bau- und Versicherungsbranche des Vereinigten Königreichs noch immer im Krisen­zustand. Wie sich in der Folge herausstellte, wurde die dort verwendete gefährliche Fassadenverkleidung an fast dreihundert weiteren Sozialwohnungsbauten sowie an noch nicht genau zu beziffernden pri­vaten Wohnblocks, Hotels, Krankenhäusern und Schulen verbaut. Hinter den Kulissen spielt sich ein Kampf um die Schuldfrage ab.

Vier Tage nach dem Brand bestand Kanzler Philip Hammond in einem zur besten Sendezeit auf BBC ausgestrahlten Interview darauf, die beim Grenfell Tower verbaute Verkleidung sei verboten. Seitdem haben sich wiederholt Regierungs­­vertreter dahingehend geäußert, dass das Material zu keinem Zeitpunkt baurechtskonform gewesen sei. Die Zulieferer, die Versicherungsgesellschaften und die Baufirmen behaupten dagegen, die Verwendung sei genehmigt gewesen. Beide Seiten fordern nach wie vor, der jeweils andere solle für die Schadensregulierung aufkommen. Während diese äußerst unbefriedigenden gegen­seitigen Schuldzuweisungen fortdauern, sind die Bewohner einiger Hochhäuser in England gezwungen, jede Nacht mit dem Wissen einzuschlafen, dass sich in ihren Wänden ein hochent­zünd­licher Dämmstoff befindet.

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