ARCH+ 234


Erschienen in ARCH+ 234,
Seite(n) 134-139

ARCH+ 234

Demokratisierung von Big Data

Von Pentland, Alex /  Vrachliotis, Georg

2017 veröffentlichte die UNO eine Reihe von Berichten über verschiedene Anwendungen von Big-Data-Technologien bei Projekten der öffentlichen Hand und der Zivilgesellschaft. Diese Veröffentlichungen sind Teil der Initiative Global Pulse, die vom Generalsekretär der UNO ins Leben gerufen wurde, um zum einen die zukünftige Nutzung von Big Data „als Gemeingut“ sicher­zustellen. Zum anderen wird Big Data als Regierungstechnik verstanden, da „digitale Daten die Möglichkeit bieten, die Veränderungen im Wohlbefinden der Menschen besser zu verstehen und die Auswirkungen von Regierungshandeln in Echtzeit zu messen“. Im Gegensatz zur der­zeitigen Situation, wo hauptsächlich Privat­unternehmen Kapital aus Big-Data-Technologien schlagen, betont dieser Ansatz das enorme Potential sowie die Nutzung von Daten als frei verfügbare Ressourcen für das Gemeinwohl. Welche neuen emanzipatorischen Möglichkeiten könnten sich aus einem solchen Ansatz ergeben? Was würde ein solcher Schritt für die Gesellschaft bedeuten – auf kultureller, wissenschaftlicher, gesellschaftlicher und politischer Ebene?

Aufbauend auf den grundlegenden Ideen von UN Global Pulse wurde vor einigen Jahren die Data-Pop Alliance gegründet. Sie ist ein weltweiter Zusammenschluss von Wissenschaftlern, Experten, Praktikern und Aktivisten zum Thema Big Data und den entsprechenden Entwicklungen. Ziel ist es, eine am Menschen orientierte Big-Data-Revolution durch kollaborative Forschungen, den Aufbau von Kapazitäten und gesellschaftliches Engagement zu fördern. Georg Vrachliotis traf in Boston einen Mitbegründer dieser Data-Pop Alliance, Alex Pentland, Professor am dortigen Massachusetts Institute of Technology (MIT). 

Georg Vrachliotis: Wir sitzen hier im Harvard Club im Bostoner Stadtteil Back Bay, unweit von Ihrem Arbeitsplatz, dem MIT Media Lab. Sie haben diese Forschungseinrichtung mit aufgebaut und leiten sie seit Mitte der 1980er-Jahre. Das Media Lab entwickelte sich aus der 1967 von Nicholas Negroponte gegründeten Architecture Machine Group und ist auch heute immer noch eines der interessantesten und einflussreichsten Institute, die zur sogenannten Datafizierung der Gesellschaft forschen. Sie leiten derzeit zwei Forschungsgruppen: das Connection Science Laboratory und das Human Dynamics Laboratory. Woran arbeiten Sie konkret?

Alex Pentland: Heute hinterlassen die Menschen durch die Nutzung ihrer Smartphones oder RFIDs überall digitale Spuren. Die Human Dynamics Gruppe bedient sich des sogenannten Reality Mining, um mithilfe dieser Daten staatliches Handeln, öffentliche Gesundheit und Unternehmen besser zu organisieren. Durch das Sammeln, Visualisieren und Analysieren von Daten realer Aktivitäten in Raum und Zeit erfahren wir mehr darüber, wie soziale Netzwerke die Menschen bei Entscheidungen, bei der Weitergabe von Informationen, bei der Übernahme neuer Technologien oder bei der Änderung von Verhaltensweisen beeinflussen. Indem immer mehr Aspekte unseres privaten und öffentlichen Lebens von Daten aus Sensoren und smarten Geräten durchdrungen und geformt werden, verschwimmen die Grenzen zwischen dem Digitalen und dem Analogen zunehmend.

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