ARCH+ 235


Erschienen in ARCH+ 235,
Seite(n) 140-149

ARCH+ 235

Unbehagliche Räume

Von Rumpfhuber, Andreas

I.

Man könnte meinen, es entbehre jeder Logik, dass in Österreich eine demokratisch gewählte Regierung, deren Maßnahmen sich direkt gegen die Interessen der Mehrheit ihrer Wähler­*innen richten, einen derart hohen Zuspruch erfährt. Der Takt, in dem seit Dezember 2017 von der ÖVP-FPÖ-Koalition unter Bundeskanzler Kurz patriarchale, frauenfeindliche, rassistische und menschen­­verachtende Maßnahmen umgesetzt werden, ist atemberaubend und macht die österreichische Gesellschaft in meinen Augen zunehmend labil. Das derzeitige rechtspopulistische Projekt nutzt in erster Linie der Aufrechterhaltung einer neoliberalen Illusion von individueller Freiheit, Konsum und Exzess, um das Ziel der Umverteilung von unten nach oben durchzusetzen und zugleich emanzi­patorische Errungenschaften der Gesellschaft zu zerstören.

Will man in diesem aktuellen Kontext über Raum, Stadt und Architektur sprechen, wird schnell klar, dass eine Zuordnung nur schwer möglich ist. Es gibt kein eindeutiges „rechtspopulistisches“ Architekturprojekt. Die Raum- und Stadtproduktion wird seit längerem vermehrt durch privates (Investment-)Kapital vorangetrieben und entspricht eher einer Anwendung globaler Geschäftsmodelle denn einer lokal spezifischen Praxis. Um die symbolische Verwendung von Räumen und ihre Strukturierungen herauszuarbeiten, beschreibe ich zuerst die spezifisch österreichische Situation. Ausgangspunkt ist eine kurze persönliche Notiz zu meiner Biografie. Im Anschluss daran arbeite ich Kategorien von Räumen heraus, die, wie ich hoffe, helfen können, die gegenwärtige Regierungsform in Relation zu Raumpolitik und Architektur zu verstehen.

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