ARCH+ 235


Erschienen in ARCH+ 235,
Seite(n) 168-173

ARCH+ 235

Frankfurter Kopien – Ein Bildbeitrag

Von Poller, Daniel

Die Debatte um die Neue Frankfurter Altstadt vollzog sich nach Meinung vieler Medien in einer altbekannten „Lagerbildung zwischen Traditionalisten und Modernen“ (baunetz), wobei Erstere sich zu Advokaten einer baukulturellen Tradition erklärten, die gegen die Geschichtsvergessenheit der Letzteren zu verteidigen sei. Doch stimmt das? Bei genauerem Hinsehen erweist die Frankfurter Altstadt der Tradition nämlich einen Bärendienst: Das neue „Herz der Stadt“ erinnert mehr an einen historisierenden Vergnügungspark, gerade gut genug als touristische Attraktion. Ein Herz, das nicht schlägt. Kein Wunder, wusste schon der einstige Frankfurter Theodor W. Adorno: „Real verlorene Tradition ist nicht ästhetisch zu surrogieren“. Versucht man dies jedoch, vor lauter Sehnsucht „nach dem, was noch nie war“, so Adorno weiter, erscheint Tradition als „Ornament, [als] täuschende Herstellung eines Sinns, der nicht ist“. Der Berliner Künstler Daniel Poller ist in seiner Arbeit Frankfurter Kopien eben diesen falschen Traditionen auf der Spur.

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