ARCH+ 236


Erschienen in ARCH+ 236,
Seite(n) 50-55

ARCH+ 236

Die Stadt des Plattformkapitalismus

Von Simpson, Deane

Die Städte der Zukunft werden von Technologie­unternehmen und Unternehmensberatungen auf Grundlage von Algorithmen geplant, die Expertise der Architekt*in scheint obsolet. Anstelle des Gemeinwohls tritt Profitinteresse – und der Staat macht mit. Deane Simpson, Architekt, Stadtplaner und Professor für Urbanism & Societal Change an der Royal Danish Academy of Fine Arts (KADK) in Kopenhagen, spricht mit Arno Brandlhuber und Olaf Grawert über das Geschäftsmodell Smart City, permanente Effizienzsteigerung und dringend zu überlegende Alternativen hierzu.

Arno Brandlhuber: In Ihrer Forschung zu den sich verändernden Bedingungen von Stadtplanung sowie zum Einzug der „Smart City“ in unseren Alltag beziehen Sie sich auf David Harvey, der eine Verschiebung von der verwaltenden zur unternehmerischen Stadt feststellt, an deren Ende die Vision einer postpolitischen, algorithmischen Stadtplanung steht.1 Welche Rolle spielen die heutigen Städte in den ökonomischen Erwägungen der großen Technologieunternehmen, die in den physischen Raum investieren?

Deane Simpson: Harvey beschreibt diese Verschiebung im Hinblick auf die Rolle, die Städte und Gemeinden in der Stadtplanung seit den 1980er-Jahren spielen. War in den 1960er- und 1970er-Jahren noch der Vorsorgestaat dominierend, setzte man ab den 1980er-Jahren zunehmend auf die unternehmerische Stadt, die sich als Ermöglicher kommunal geführter öffentlich-privater Investitionen versteht. Vor dem Hintergrund des aufkommenden Plattformkapitalismus sehen Theoretiker­*innen wie Guy Baeten, dass mit Vorhaben wie Sidewalk Labs’ Quayside in Toronto zugleich ein neuer Typus algorithmischer (Post-)Planung auftritt.

SSS Siedle Dornbracht Euroboden
Feedback erwünscht!