ARCH+ 236


Erschienen in ARCH+ 236,
Seite(n) 58-65

ARCH+ 236

Auf der Suche nach einer demokratischen Zukunft der Smart City

Von Wylie, Bianca

Im östlichen Hafengebiet von Toronto steht ein auffälliges blaues Gebäude. Eingehüllt in ein farben­frohes, wunderschönes Kunstwerk der Montrealer Grafikerin Cécile Gariépy sticht der Bau – eine ehemalige Fischverarbeitungsfabrik, die von Park­plätzen und einer starkbefahrenen Autobahn umgeben ist – heraus. Ihr wurde ein zweites Leben geschenkt: als Büro für Sidewalk Labs – eine Schwesterfirma von Google, die an der Entwicklung einer Smart City für Toronto arbeitet. Ironischerweise teilt das umgenutzte Gebäude selbst eine Eigenschaft mit der Smart City: Etwas Altes soll in neuer Aufmachung leicht, frisch und innovativ daherkommen.

„Unsere Vision ist es, mithilfe von Technologie das urbane Leben im 21. Jahrhundert neu zu definieren“, so Daniel L. Doctoroff, CEO von Sidewalk Labs, in einem Interview mit Freakonomics Radio1. Doctoroffs Aussage ist ein typisches Beispiel für die Marketing-Phrasen, wie sie alle Smart-City-Entwickler verwenden. Vereinfacht gesagt, ist von „Smart Cities“ in der Regel dann die Rede, wenn es um den Einsatz von Technologien und Daten in Städten geht.

Doch die blumige Sprache sollte nicht von der Tatsache ablenken, dass das Smart-City-Modell einen grundlegenden Fehler aufweist: Unternehmen versuchen, Einfluss auf den urbanen Raum und das demokratische Gemeinwesen zu nehmen. Und da die meisten Regierungen nicht über die notwendigen Instrumente verfügen, um die rasante Entwicklung im Technologie- und Smart-City-Sektor zu steuern, haben wir es hier mit Fragestellungen der Governance von Städten in aller Welt zu tun.

SSS Siedle Dornbracht Euroboden
Feedback erwünscht!