ARCH+ 237

ARCH+ Design: Villa Urbana

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Der ARCH+ Space als Villa Urbana

Der ARCH+ Space befindet sich auf der zweiten Etage im mittleren Bauteil von FRIZZ23, darüber liegt die gemeinschaftliche Dachterrasse. Wie in allen anderen Einheiten auch lag der gesamte Innenausbau in der Verantwortung der Eigentümer*innen, lediglich die Beton­s­kelett­struktur und die Lage der Versorgungsstränge sind festgelegte Parameter.

FRIZZ23, Deutschlands erste Gewerbebaugruppe, befindet sich auf dem Gelände des ehemaligen Blumengroßmarkts zwischen Jüdischem Museum und Friedrichstraße. Nach jahrelangen Kämpfen für eine neue Liegenschaftspolitik wurde hier Berlins erstes konzeptgebundenes Vergabeverfahren durchgeführt. Statt wie bis dahin Liegenschaften zum Höchstpreis zu veräußern – und damit nicht nur die Preisspirale weiter nach oben zu schrauben, sondern auch die soziale Gestaltung der Stadt aus der Hand zu geben –, wurden die Grundstücke anhand eines Konzeptbieterverfahren zum Festpreis vergeben. Neben FRIZZ23 von Deadline Architekten erhielten auch das Integrative Bauprojekt am ehemaligen Blumengroßmarkt (IBeB) von ifau und Heide & von Beckerath und das Metropolenhaus von bfstudio Architekten den Zuschlag.

Gemeinsam mit dem FORUM Berufsbildung, dem größten privaten Bildungsträger in Berlin und einem der wichtigsten Akteure im Kiez, gaben Matthew Griffin und Britta Jürgens – Deadline Architekten – für FRIZZ23 ein Konzept ab, das eine Nutzungsbindung vorsah: 32 Prozent Bildung, 33 Prozent Kreativwirtschaft, 15 Prozent Einzelhandel, 15 Prozent Wohnen und 5 Prozent Gastronomie. Die Nutzungsbindung wurde im Rahmen eines städtebaulichen Vertrags festgelegt. Eine Besonderheit waren die Einheiten, in denen zugleich Wohnen und Arbeiten erlaubt sind. Es wurde festgelegt, dass man dort nur wohnen darf, wenn nachweislich zwei Drittel der Fläche für Arbeiten genutzt werden.

Die Architekt*innen entwickelten für das Gesamtvorhaben eine differenzierte städtebauliche Figur. Aufgrund der sehr unterschiedlichen Nutzungen ist das Gebäude im Inneren extrem individualistisch, kein Grundriss gleicht dem anderen. Um das zu ermöglichen, ist das Gebäude als Skelettbau realisiert. Alle Innenwände bis auf die Treppenhäuser sind als Trockenbau ausgeführt. Die Grundrissaufteilung konnte auf diese Weise lange offengelassen werden, um den in unterschiedlichen Stadien hinzukommenden Mitgliedern die größtmögliche Gestaltungsfreiheit zu lassen.

Der ARCH+ Space befindet sich auf der zweiten Etage im mittleren Bauteil, unterhalb der gemeinschaftlichen Dach­terrasse. Der Entwurf von Methodearchitektur Arno Löbbecke/Anh-Linh Ngo – für die Redaktions- und Privaträume umfasst die Grundrissgestaltung, das zentrale Oberlicht sowie den ­Innenausbau. Der Grundriss nimmt das Stützraster auf, so dass die annähernd quadratische Fläche in neun etwa gleich große Zonen unterteilt wird. Das klassische palladianische Motiv mit unmittelbar aneinander angrenzenden Raumfolgen und klaren Raumproportionen ergab sich hier wie von selbst, um den Anforderungen des Arbeitsalltags der Redaktion sowie der Verbindung von Wohnen und Arbeiten gerecht zu werden. Dieses ­3 × 3-Raster wird durch zwei innenliegende Serviceeinheiten strukturiert, die alle dienenden Funktionen und Stauflächen beinhalten. Die Grundidee beruht auf der Gleichwertigkeit der Räume und der Mehrdeutigkeit der Nutzungen, um vielfältige Kombinationsmöglichkeiten zuzulassen bei gleichzeitiger Minimierung von Erschließungsflächen wie Fluren und Korridoren.

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