ARCH+ 239


Erschienen in ARCH+ 239,
Seite(n) 4

ARCH+ 239

Die Externalisierungsgesellschaft

Von Lessenich, Stephan

Der umgekehrte kategorische Imperativ

Europa gilt als die Geburtsstätte der Aufklärung, als Hort aufklärerischen Denkens – und ebendieses kulturelle Erbe ist bis heute wesentlicher Bestandteil europäischen Selbstverständnisses. Von der Herrschaft der Vernunft bis zur Geltung des Rechts, vom Schutz persönlicher Autonomie bis zur Ausbildung einer kritischen Öffentlichkeit: Wenn die Sozialwissenschaft nach Gemeinsamkeiten der im Einzelnen doch sehr verschiedenartigen europäischen Gesellschaften fragt, dann betont sie regelmäßig den historisch gewachsenen, über nationale Grenzen hinweg geteilten und in weitgehend strukturähnlichen Institutionen geronnenen Wertekatalog. Wenn „Europa“, wie es derzeit der Fall ist, von Krisen geschüttelt wird und die Akteure in Brüssel und den Hauptstädten der Mitgliedsstaaten händeringend nach dem einenden Band ihrer politischen Union suchen, dann berufen sie sich – jedenfalls im westlichen Teil des Kontinents – ebenso gerne auf die europäische Wertegemeinschaft: auf geteilte Überzeugungen davon, was „gut“ und „richtig“ ist, nach welchen Regeln das gesellschaftliche Leben gestaltet sein solle, wie Einzelwohl und Gemeinwohl miteinander in Einklang zu bringen seien.

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