ARCH+ 239


Erschienen in ARCH+ 239,
Seite(n) 36-43

ARCH+ 239

Atlantropa

Von Sörgel, Herman

Kaum ein Projekt verkörperte die europäische Ideologie der infrastrukturellen Erschließung Afrikas so eindrücklich wie Herman Sörgels Vision von Atlantropa, an der er von 1928 bis 1952 arbeitete. Der deutsche Architekt sah eine gigantische Staumauer an der Meerenge von Gibraltar vor, die zusammen mit einer zweiten Anlage bei den Dardanellen das Mittelmeer vom Atlantischen Ozean und vom Schwarzen Meer isolieren sollte. Kraftwerke an den gestauten Meerengen sowie an allen großen Flussmündungen sollten die künftige Stromversorgung Europas sichern. Die damit einhergehende Absenkung des Meeresspiegels um 100 Meter im westlichen und um 200 Meter im östlichen Mittelmeer würde riesige Flächen kultivierbaren Neulands zutagefördern, das dem überbevölkerten Europa zur Besiedlung zur Verfügung stehen sollte. Die verschobene Küstenlinie erforderte neue maritime Infrastrukturen wie Häfen und Schleusen sowie die Umplanung zahlreicher Hafenstädte zu kontinentalen Städten. Neben einer Neuordnung Europas war Atlantropa in erster Linie ein geopolitisches Projekt im Wettkampf der Weltmächte. Nur in der Vereinigung mit Afrika zu einem neuen Superkontinent sah das überbevölkerte und rohstoffarme Europa eine Chance, sich gegen Amerika und Asien zu behaupten.

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