ARCH+ 239


Erschienen in ARCH+ 239,
Seite(n) 44-55

ARCH+ 239

Europa als Infrastruktur: Vernetzung der operativen Gemeinschaft

Von Opitz, Sven /  Tellmann, Ute

Infrastrukturen wie Rohrleitungen, Kanäle, Straßen und Kabel, die das moderne Leben organisieren, stellen auf materieller Ebene politische Kollektivität mittels technischer Konnektivität her. Die Historikerin Jo Guldi drückt es in ihrer Studie zur britischen Staatsbildung im 19. Jahrhundert so aus: „Im Guten wie im Schlechten verbindet Infrastruktur Fremde, die weit voneinander entfernt sind, zu neuen Gemeinschaften.“ In diesem Sinne sind Infrastrukturen politisch. Doch während die Techniksozio logie immer schon die „politische Dimen sion von Artefakten" betont hat, geht der aktuelle Diskurs in der Soziologie und politischen Theorie noch einen Schritt weiter: Das infrastrukturelle Gewebe wird hier zum Ausgangspunkt eines neuen Verständnisses von Politik als material gebundene Kollektivität.

Doch welche Implikationen hat es, Infrastruktur zum Schlüsselbegriff für einen neuen Blick auf das Gemeinsame zu erklären? Wie lässt sich das „Wir“ in der Infrastruktur fassen, von dessen Existenz damit implizit ausgegangen wird? Im Folgenden soll am Beispiel des europäischen Stromnetzes die Idee einer infrastrukturellen Kollektivität diskutiert werden.

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