ARCH+ 239


Erschienen in ARCH+ 239,
Seite(n) 80-87

ARCH+ 239

Familienfotos: Ein medial-architektonisches Porträt des Europäischen Rates

Von Pohl, Dennis /  Esteve, Pol

Seit der Gründung der Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft 1957 stehen Politik und Massen medien in einem engen Wechselverhältnis, in dem Medien immer mehr in die politische Sphäre integriert wurden. Tagespolitik verlagerte sich vom Besprechungszimmer in den Bildschirm hinein, was zuletzt bei den außer ordentlichen Videokonferenzen der G20 zu Covid-19 gut zu beobachten war. Dabei entstand ein „Teleregime“, das sowohl die institutionelle Architektur als auch die Regierungs formen sichtbar transformierte.

Betrachtet man das audiovisuelle Archiv, das die Institutionen der EU seit den 1960er-Jahren produziert haben, wird der Einfluss der technologischen Evolution der Kommunikationssysteme auf die institutionelle Architektur der EU sehr deutlich. Räume, protokollarische Abläufe und Institutionen mussten im Laufe der Zeit an die Anforderungen des Teleregimes angepasst werden, in dem die Kamera zum architektonischen Akteur wurde, der neben Raum- auch Regierungserfahrungen neu definierte. Der Kameraausschnitt trennt zwischen dem Sichtbaren und dem Nicht-Sichtbaren und errichtet, willentlich oder nicht, einen neuen Raum der Repräsentation. Für die Politiker *innen wurde die Kamera zum unabdingbaren Werkzeug, um das europäische Projekt zu kommunizieren. Sie definiert nicht nur das politische und kulturelle Bild der Europäischen Union, sondern ist gleichzeitig Medium für die politische Entwicklung einer neuen supranationalen Governance.

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