ARCH+ 239


Erschienen in ARCH+ 239,
Seite(n) 102-109

ARCH+ 239

Kritische Infrastruktur

Von Folkers, Andreas

Dem Wortsinn nach sind Infrastrukturen (von lat. infra, unterhalb) das Darunterliegende oder der Unterbau. Auch wenn nicht alle Infrastrukturen so offensichtlich dem Blick entzogen sind wie Kanalisationen, U-Bahnen, Strom- und Wasserleitungen, oder gar gänzlich unsichtbar, wie etwa satellitengestützte Telekommunikationsnetze, so bleiben doch häufig die Straßen und Schienen, auf denen wir fahren, und die vielen sozialen Infrastrukturdienste, die wir täglich in Anspruch nehmen, in einem gewissen Sinne opak – zumindest so lange sie funktionieren. Eines der vielen Privilegien der Bürger *innen nord-westlicher Wohlstandsnationen besteht eben darin, dass sie ihre Infrastrukturen in dem Maße vergessen können, wie sie ihr Funktionieren stillschweigend voraussetzen.

Als ebenso unsichtbar wie fundamental drängen sich Infrastrukturen aber gerade in jüngerer Zeit immer wieder in den Vordergrund eines theoretischen Interesses. Sie sprechen das geradezu voyeuristische Begehren an, wissen zu wollen, was die Gesellschaft untendrunter trägt, was sie stabilisiert, ermöglicht, fundiert oder auch unterminiert. Jede Gesellschaft – und das gilt insbesondere für eine vernetzte und globalisierte – muss eminent infrastrukturell sein; nur so können sich jenseits von Interaktionen im Nahfeld komplexe soziale Operationen vollziehen, die in der Lage sind, zeitliche und räumliche Distanzen zu überbrücken. Dabei überbrücken Infrastrukturen streng genommen nicht nur bereits bestehende Räume, sondern erschließen diese überhaupt erst, machen sie be- und erfahrbar.

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