ARCH+ 239


Erschienen in ARCH+ 239,
Seite(n) 116-121

ARCH+ 239

„Wir brauchen soziale, keine künstliche Intelligenz“

Von Stikker, Marleen /  Ngo, Anh-Linh /  Kellermann, Sascha

Kann Europa im Spannungsfeld zwischen dem Plattformkapitalismus des Silicon Valley und der totalen digitalen Überwachung Chinas zu einer eigenen Form der Datensouveränität gelangen? Seit den 1990er-Jahren versucht Marleen Stikker eine Antwort auf diese Frage zu finden. Sie ist die Gründerin und Direktorin der Waag, einer Institution für Technologie und Gesellschaft in Amsterdam, und von De Digitale Stad, einer frühen Form des Internet, die auf der Grundsätzen eines digitalen Gemeinguts basiert.

Anh-Linh Ngo: 1993 waren Sie Mitbegründerin von De Digitale Stad (Die digitale Stadt), einer nicht gewinnorientierten virtuellen Gemeinschaft, die einen freien öffentlichen Internetzugang in Amsterdam einführte. Daraus entwickelte sich das Sozialunternehmen Waag, das Sie bis heute leiten. Die Idee eines Bottom-up-Internets, eines Internets als Gemeingut, existierte also schon zu einem Zeitpunkt, als es seinen Siegeszug antrat. Aber in Wirklichkeit wird das Internet heute von einigen wenigen Privatunternehmen dominiert. Gibt es eine Möglichkeit, in dieser Situation alternative Netzwerkinfrastrukturen aufzubauen?

Marleen Stikker: Ich habe gerade das Buch Het internet is stuk – Maar we kunnen het repareren („Das Internet ist kaputt – aber wir können es reparieren“) veröffentlicht. Darin beschreibe ich, dass das Internet in vielerlei Hinsicht kaputt ist, vor allem aber ist unser Vertrauen zerstört. Seit den Enthüllungen von Edward Snowden und dem Missbrauch

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