ARCH+ 239


Erschienen in ARCH+ 239,
Seite(n) 122-129

ARCH+ 239

Das Baltikum als umkämpfter infrastruktureller Raum

Von Žukauskas, Jonas

Die anhaltenden kriegerischen Auseinandersetzungen zwischen Russland und der Ukraine, die Krimkrise, der Widerstand der USA und anderer europäischer Staaten gegen die neuen Gaspipelines Nord Stream 1 und 2, die Deutschland direkt mit russischem Gas versorgen beziehungsweise in Zukunft versorgen sollen, sind geopolitische Folgen von Infrastruktur- Entscheidungen, die weit in die Zeit des Kalten Krieges zurückreichen. Denn entgegen dem Narrativ des Eisernen Vorhangs waren Ost- und Westeuropa, was die Infrastruktur angeht, stets eng vernetzt. Am Beispiel des Baltikums lässt sich die politische Langzeitwirkung infrastruk tureller Räume anschaulich aufzeigen und eine langfristige objektorientierte Architektur diskutieren, die das aufgreift, was Keller Easterling als die „infrastrukturelle Matrix“ beschreibt.

Die Zukunft Europas wird von Infrastrukturen geformt, die sich historisch herausgebildet haben. Ihren Anfang nahm die Europäische Union in der Europäischen Gemeinschaft für Kohle und Stahl, mit der einige europäische Staaten in den 1950er-Jahren ihre nationalen Industrien so eng miteinander zu verzahnen versuchten, dass Kriege in der Zukunft „nicht nur undenkbar, sondern materiell unmöglich“ sein würden. Zentrale Instrumente dafür sind der Binnenmarkt und gemeinsame Infrastrukturen, zu denen alle EU-Mitglieder gleichberechtigten Zugang haben.

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