ARCH+ 239


Erschienen in ARCH+ 239,
Seite(n) 162-173

ARCH+ 239

„… auf den Hochstraßen des Weltwirtschaftsverkehrs“ – Zur europäischen Ideologie der „Erschließung“ im ausgehenden 19. und frühen 20. Jahrhundert

Von Laak, Dirk van

Wie die meisten seiner europäischen Zeitgenoss*innen um die Wende ins 20. Jahrhundert stand der deutsche Publizist Arthur Dix (1875–1935) ganz im Bann der neuen Verkehrs- und Kommunikationsträger. Vom Weltbild des Imperialismus geprägt, reflektierte er in seinen Publikationen immer wieder die außen- und geopolitische Qualität solcher „Technologien der Erschließung“. 1901 veröffentlichte der damals 26-jährige Dix eine Monografie mit dem Titel Deutschland auf den Hochstraßen des Weltwirtschaftsverkehrs, dessen zentrale These in folgender Gleichung eingefangen war:

„Die Weltmachtpolitik ist eng gebunden an die Beherrschung der weltwirtschaftlichen Hochstraßen. […] Eisenbahn und Telegraph, Dampfschiff und Kabel sind die Werkzeuge, durch die der moderne ‚homo sapiens‘ sich alle Teile der Erde erschlossen und unterworfen hat – sie sind zugleich hervorragende Werkzeuge politischer Macht und die besten Waffen eines neuzeitlichen Staates im Kampfe um die Teilung der Welt. […] Wer sie am besten zu benutzen weiß, dem fällt auf der neuen Weltkarte der günstigste Platz zu.“

Das Buch von Dix war deutlich inspiriert von den jüngeren „Großtaten“ der Verkehrstechnik, etwa dem Bau des Suezkanals, der deutschen Kriegsflotte, der Transsibirischen Eisenbahn und der Verlegung von Unterseekabeln. Auch verwies es darauf, dass man als Nation expandieren und Kolonialpolitik betreiben müsse, wenn man nicht durch qualifizierte Auswanderer als „Völkerdünger“ dienen wolle.

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