ARCH+ 239


Erschienen in ARCH+ 239,
Seite(n) 192-197

ARCH+ 239

Widerstand gegen Extraktivismus in Nordafrika

Von Hamouchene, Hamza

Die tunesische Stadt Gabès wurde einmal als „Paradies auf Erden“ bezeichnet, so überwältigend schön war diese Küstenoase am Mittelmeer. Heute ist sie verwüstet, ein Phosphatwerk hat das Grundwasser geplündert und verschmutzt. Der Strand ist pechschwarz, fortlaufend werden dort tote Fische und Schildkröten angespült. Eine Wolke von Industrieabgasen hängt über der Stadt. In einem Umkreis von etwa 20 Kilometern wächst kaum noch etwas.

Die Stadt In Salah inmitten der algerischen Wüste besitzt in ihrem Einzugsgebiet eines der reichsten Gasvorkommen auf dem afrikanischen Kontinent, und trotzdem besitzt sie eine schlecht ausgebaute öffentliche Infrastruktur. Die Bewohner*innen bezeichnen das einzige Krankenhaus am Ort als „Krankenhaus des Todes“. Das sind nur zwei Beispiele für das „Paradox des Überflusses“: Armut, Arbeitslosigkeit, toxische Abfälle, freigesetzte Giftstoffe und Ausplünderung der Ressourcen treffen gerade Orte mit reichen natürlichen Ressourcen, die auf Basis unfairer wirtschaftlicher und politischer Beziehungen ausgebeutet werden.

Beide Beispiele sind ein Ergebnis des Extraktivismus. Der Begriff, abgeleitet vom Lateinischen extrahere, herausziehen, bezeichnet den Raubbau an natürlichen Ressourcen, die insbesondere für den Export bestimmt sind und nicht oder nur beschränkt vor Ort weiterverarbeitet werden. Das betrifft nicht nur den Abbau von Mineralien und fossilen Brennstoffen, sondern auch andere Wirtschaftszweige, die Land, Wasser und die biologische Vielfalt übermäßig ausbeuten, beispielsweise die Agrarindustrie, intensive Forstwirtschaft, industrielle Fischzucht oder der Massentourismus.

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