ARCH+ 173

Download-Preis: 0,60 € In den Warenkorb


Erschienen in ARCH+ 173,
Seite(n) 78-79

ARCH+ 173

Komplizenschaft?

Von Steiner, Barbara

Stadtplanung und ihr Gestaltungsanspruch scheinen angesichts der Realität schrumpfender Städte definitiv in die Krise geraten: Überalterung, Geburtenrückgang und Abwanderung produzieren einen Ab- bzw. Rückbau von existierender Infrastruktur, Sozialleistungen und des Anspruchs einer Kultur für alle. Gleichzeitig wird eine breite Akzeptanz dieser Maßnahmen von Seiten der Menschen, die in schrumpfenden Regionen leben, eingefordert. Die klassischen planerischen Instrumentarien und Erklärungsmodelle, die in der Ära des Wachstums entwickelt und angewandt wurden, greifen allerdings nicht mehr, weil es in manchen Regionen sichtbar keinen Wohlstand mehr zu verwalten gibt, und selbst wenn, dann können nur noch einige wenige bzw. immer weniger daran teilhaben. Paradoxerweise sucht man gerade heute nach einer verstärkten Beteiligung der Betroffenen: Diese sollen aktiv bei gemeinschaftlichen Aufgaben mithelfen, Arbeitsfelder eigenverantwortlich übernehmen, “sich selbst ermächtigen” und letztendlich den Staat finanziell “entlasten”. In diesem Zusammenhang ist danach zu fragen, ob es sich nicht in erster Linie um eine willkommene Abwälzung von gemeinschaftlichen Aufgaben handelt und die Forderung nach Selbstermächtigung als “Mittel zum Zweck” mißbraucht wird.
SSS Siedle Dornbracht Euroboden
Feedback erwünscht!