ARCH+ 111

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Erschienen in ARCH+ 111,
Seite(n) 70-78

ARCH+ 111

Nomaden

Von Flusser, Vilém

Allerorten beginnt man, sich über Nomaden den Kopf zu zerbrechen. Die äußere Erklärung dafür mag sein, daß sich die Leute wie ein Ameisenhaufen benehmen, der von einem transzendenten Fuß aufgeschreckt wurde. Allerdings ist ein solches kopfloses Hin- und Herrennen nicht genau das, was wir mit Nomadismus meinen. Zwar wimmeln die Leute nach verschiedenen Rhythmen, die einander überlagern (etwa täglich in Großstädten, jährlich auf Stränden und Skipisten, und lebenslänglich als Flüchtlinge und/oder Gastarbeiter), und der große Rhythmus erinnert an asiatische Steppen und afrikanische Wüsten durchstreifende Nomadenzüge. Aber selbst dieser lebenslängliche Wanderrhythmus etwa vom unterentwickelten Süden in Richtung Schlaraffenland entspricht nicht dem nomadischen Dasein, wie wir es bei Mongolen, Beduinen oder Zigeunern zu erkennen glauben. Daher ist die äußere Erklärung für das aufkommende Interesse am Nomadischen wahrscheinlich nicht treffend...
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