ARCH+ 239: Europa – Infrastrukturen der Externalisierung

Seitdem Europa sich in der Neuzeit anschickte, die Welt zum eigenen Nutzen zu erschließen und auszubeuten, setzte es seine Interessen mit Hilfe von Infrastrukturmaßnahmen durch. Mit reibungslosen und beschleunigten Stoffströmen mehrte Europa seinen Wohlstand auf Kosten anderer. Die negativen Folgen seines wirtschaftlichen Handelns lagerte es nach außen aus – was zunächst der Konstruktion eines Außen und eines Anderen bedarf, das unbedingt exkludiert werden muss.

Seit jeher stellt Afrika jenes Außen und jenes Andere für Europa dar. Wir sollten nicht länger von Europa reden, ohne von Afrika zu sprechen, von dem strukturellen Rassismus der Europäer*innen, der diese unheilvolle Beziehung im Laufe der Jahrhunderte prägte und prägt. Auch die Geschichte der europäischen Einigung bleibt von Anfang an in der rassistischen Logik gefangen, die in dem afrikanischen Kontinent nichts weiter als den rohstoffreichen Garanten für das Überleben Europas zu sehen vermag.

Wir müssen also den Mythos vom Friedensprojekt eines postkolonialen Europa kritisch hinterfragen, um das inhärente Machtgefälle, den eingebauten Paternalismus, die strukturelle Ungleichheit zu überwinden, die in der politischen und wirtschaftlichen Beziehung zwischen der EU und Afrika weiterhin herrschen. Vor dem Hintergrund der aktuellen Proteste gegen Rassismus, ausgelöst durch den Mord an George Floyd, würden wir es uns in Europa zu einfach machen, wenn wir nur mit dem Finger auf Amerika zeigen. Schließlich ist Europa seit Jahrhunderten in dasselbe Unrecht verstrickt. Der strukturelle Rassismus europäischer Prägung wird in dieser Ausgabe raumpolitisch beschrieben: als infrastruktureller Rassismus.

 

Inhaltsverzeichnis

Editorial

1-4

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Editorial

Thema

4

Die Externalisierungsgesellschaft

6-13

Fotoessay: Wahala

14-15

EURAFRIKA

16-23

Eurafrika: Die Geschichte der europäischen Integration als „Entkolonialisierungskompromiss“

24-33

Die Gespenster Eurafrikas

36-43

Atlantropa

44-55

Europa als Infrastruktur: Vernetzung der operativen Gemeinschaft

56-59

Roadmap 2050

60-61

BILDPOLITIK

62-69

Brüssel, Luxemburg, Straßburg: Die Hauptstadtfrage und die Infrastrukturen der Europäischen Union

70-79

Infrastruktur, Architektur und politische Kommunikation: Eine Skizze

80-87

Familienfotos: Ein medial-architektonisches Porträt des Europäischen Rates

88-93

Nur bedrucktes Papier?

94-99

Europa: Eine Frage der Repräsentation

100-101

INFRASTRUKTUR

102-109

Kritische Infrastruktur

110-115

Fotoessay: Emergency Response Coordination Centre

116-121

„Wir brauchen soziale, keine künstliche Intelligenz“

122-129

Das Baltikum als umkämpfter infrastruktureller Raum

130-143

Rhythmen im Feld des Post-Urbanen: Korridore, Knoten und vernetzte Archipele zwischen Ost und West

144-153

Luxemburg: Ein Staat als Infrastruktur für Europa

154-159

Le Freeport Luxembourg

160-161

ERSCHLIESSUNG

162-173

„… auf den Hochstraßen des Weltwirtschaftsverkehrs“ – Zur europäischen Ideologie der „Erschließung“ im ausgehenden 19. und frühen 20. Jahrhundert

174-175

Von Yaoundé bis Cotonou: Europäisch-afrikanische Handelsabkommen

176-183

Das Land teilen: Venedig, Suez und das infrastrukturelle Denken im frühen 16. Jahrhundert

184-191

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Die räumliche Logik der Infrastruktur zwischen Afrika und Europa

192-197

Widerstand gegen Extraktivismus in Nordafrika

198-199

GRENZREGIME

200-209

Architekturen des Meeres

210-219

Migration, Kontrolle und Choreomacht

220-227

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Architekturen der Ausnahme: Negative Heterotopien und Dispositive der Grenze

228-235

Die Hotspots als infrastruktureller Raum im europäischen Kampf gegen Migration

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