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The Most Dangerous Game. Der Weg der Situationistischen Internationale in den Mai 68

Geschrieben am 04.09.2018
Kategorie(n): ARCH+ news, Haus der Kulturen der Welt

Ein Ausstellungsprojekt von Wolfgang Scheppe mit Roberto Ohrt und Eleonora Sovrani im Haus der Kulturen der Welt in Berlin
27.9.–10.12.2018

The_Most_Dangerous_Game_Filmstill_1932web.jpg Filmstill "The Most Dangerous Game", 1932, Regie: Schoedsack / Pichel, Produktion: RKO Radio Pictures Courtesy Arsenale Institute for Politics of Representation

Eröffnung: Mittwoch, 26. September, 19 Uhr
Haus der Kulturen der Welt, John-Foster-Dulles-Allee 10


Zwischen 1957 und 1972 konzipierte die Situationistische Internationale (S.I.) zunächst eine „Revolutionäre Front in der Kultur“ und verlegte ihre Propaganda dann auf das politische Feld. Mit den Methoden des Spiels übte die Bewegung grundsätzliche Kritik am Spektakel der Warengesellschaft. In einer Zeit, in der marktwirtschaftliche Prinzipien zunehmend alle Lebensbereiche durchdringen, regt The Most Dangerous Game eine Neubetrachtung der Jahre an, in der die S.I. ihre Kritik formulierte.

In Bezug auf eine verschollene Collage des S.I.-Mitbegründers Guy Debord erinnert der Ausstellungstitel einerseits an den revolutionären Ernst, mit dem die S.I. die Auseinandersetzungen der Nachkriegszeit radikalisierte. Andererseits betont er das Element des Spiels, das sie auf all ihren Wegen umtrieb. Als „Spielraum“ dienten ihnen die Großstadt und das Alltagsleben. Hier suchten sie die Konfrontation mit dem bürgerlichen System – ästhetisch durch eine „Konstruktion von Situationen“, theoretisch durch genaue Analysen der modernen Warengesellschaft.

Den Auftakt der Ausstellung bildet die Bibliothèque situationniste de Silkeborg, ein Konzept, das Debord 1959 mit dem Maler Asger Jorn für dessen Museum in Dänemark skizzierte. Im HKW wird dieses unrealisiert gebliebene Projekt zum ersten Mal vollständig konstruiert. Ein Archiv der letzten Bilder zeigt erstmals Werke aller Künstlerinnen und Künstler, die die erste Periode der S.I. ausmachten.

Die Ausstellung thematisiert den Bruch mit der Kunst um 1962, als die S.I. sich von jenen Mitgliedern distanzierte, die an einer vor allem künstlerischen Praxis festhalten wollten. Sie folgt den Aktivitäten der S.I. bis zur Revolte im Mai 1968 in Frankreich, an der die S.I. wesentlich beteiligt war. Der Aufstand wurde nach einigen Wochen erstickt. Die bürgerliche Gesellschaft aber eignete sich die Themen der revoltierenden Jugend an und unterwarf in der Folge alle Bereiche des Lebens – auch die Sexualität – kapitalistischer Verwertung.

The Most Dangerous Game schließt im Haus der Kulturen der Welt inhaltlich an die Diskussion des Surrealismus in der Ausstellung Neolithische Kindheit. Kunst in einer falschen Gegenwart, ca. 1930 ebenso an wie an die Neukartierung der Nachkriegsmoderne in Parapolitik. Kulturelle Freiheit und Kalter Krieg oder die fortschrittsgläubige Verschmelzung von Kunst und Wissenschaft im revolutionären Russland in Art Without Death: Russischer Kosmismus. Die Ausstellung The Most Dangerous Game legt Linien, die im Projekt bauhaus imaginista aufgenommen werden, das 2019 die Einflüsse und Rollen des Bauhauses im internationalen Kontext reflektieren wird.

Mit Werken von Pierre Alechinsky, Karel Appel, Armando, Enrico Baj, CoBrA, Constant, Corneille, Guy Debord, Erwin Eisch, Ansgar Elde, Farfa, Lothar Fischer, Internationale Lettriste, Internationale Situationniste, Isidore Isou, Jacqueline de Jong, Asger Jorn, Laboratorio Sperimentale, Uwe Lausen, Jeppesen Victor Martin, Giors Melanotte, Eva Renée Nele, Erik Nyholm, Panamarenko, Giuseppe Pinot-Gallizio, Hans Platschek, Heimrad Prem, Ralph Rumney, Piero Simondo, Gruppe SPUR, Gretel Stadler, Hardy Strid, Helmut Sturm, Maurice Wyckaert und Hans-Peter Zimmer.

Ein Projekt von Wolfgang Scheppe mit Roberto Ohrt und Eleonora Sovrani

Weitere Informationen finden Sie unter www.hkw.de

MDG_Debord_Silkeborg_Palais-idéal_MN.jpg Guy Debord im Palais Idéal von Ferdinand Cheval, 1955. Courtesy Museum Jorn, Silkeborg © Donation Jorn, Silkeborg / VG Bild-Kunst, Bonn 2018
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