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Multihalle Mannheim – Democratic Umbrella

Geschrieben am 27.10.2018
Kategorie(n): ARCH+ news, Ausschreibung, Wettbewerb, Multihalle, Frei Otto

Internationaler Ideen-Wettbewerb gestartet

Multihalle-today-1_Daniel-Lukac.jpg Foto: © Daniel Lukac

Termine

08.10.2018 ― Veröffentlichung Auslobung / Start Registrierung
02.11.2018 ― Frist für Rückfragen
09.11.2018 ― ab 12 Uhr Besichtigung Multihalle,
                       14.30 Kolloquium
23.11.2018 ― Beantwortung Rückfragen
15.02.2019 ― Abgabefrist (24.00 MEZ)

Zur Bundesgartenschau 1975 wurde im Mannheimer Herzogenriedpark die Multihalle erbaut. Entworfen wurde der außergewöhnliche Bau vom Mannheimer Architekten Carlfried Mutschler. Der Pritzker-Preisträger Frei Otto schuf eine Dachkonstruktion, die die Halle zur architektonischen Ikone macht. Die Multihalle ist die größte freitragende Holzgitterschalenkonstruktion der Welt. Im Sinne des Frei Otto’schen Denkens wird die Multihalle nun zu einem vielseitig nutzbaren Raum der Möglichkeiten entwickelt – als Symbol der zukunftsorientierten Mannheimer Stadtentwicklung.

Der Verein Multihalle Mannheim e.V. hat in enger Kooperation mit der Architektenkammer Baden-Württemberg, der Stadt Mannheim und gemeinsam mit dem BDA Baden-Württemberg und der IBA Heidelberg, den internationalen Ideenwettbewerb MULTIHALLE — DEMOCRATIC UMBRELLA ausgelobt.

Das Ziel des Ideenwettbewerbs ist es, die Multihalle in die Zukunft zu entwickeln. Aufgrund der international wahrgenommenen Bedeutung des Architekturdenkmals sind Architektinnen und Architekten aus aller Welt zur Teilnahme eingeladen.

Durch die explizite Öffnung des Wettbewerbs für Master-Studierende, AbsolventenInnen und junge ArchitektenInnen soll die demographische Verteilung von gesellschaftlicher Verantwortung stärker in die Hände der jüngeren Architektengenerationen gelegt werden.

Eine international besetzte Jury beurteilt die Einreichungen – insgesamt steht ein Preisgeld in Höhe von 24.000 Euro zur Verfügung.

Anlass und Ziel des Wettberwerbs

Frei Otto gilt als einer der einflussreichsten Architekten des 20. Jahrhunderts. Konstruktive Kühnheit und strukturelle Leichtigkeit bilden die wesentlichen Merkmale seines Werks. Doch seine Architektur steht ebenso für gesellschaftlichen Aufbruch, Pluralismus und Freiheit. Das Zusammenwirken von Konstruktion, Poesie und visionärem Denken ist es, was seine Bauten heute noch so faszinierend macht. Für sein Lebenswerk wurde Frei Otto 2015 mit dem Pritzker-Preis für Architektur ausgezeichnet.

Eines seiner bedeutendsten Bauwerke basiert auf einem Entwurf des Architekten Carlfried Mutschler und dessen Büropartner Joachim Langner: die Multihalle im Herzogenriedpark. Erstellt als temporäre Pflanzenhalle für die Mannheimer Bundesgartenschau 1975, gilt die größte Holzgitterschale der Welt neben ihrer räumlichen und konstruktiven Faszination als Zeichen für einen demokratischen Aufbruch – als ein „großes Fest, das die Neckarstadt weltbekannt machte“ (Anwohner & Zeitzeuge). Auch nach dem Ende der Bundesgartenschau war die Halle prominenter Austragungsort politischer, medialer und kommerzieller Großereignisse. Ihre Attraktivität nahm im Laufe der 1980er und 1990er Jahre jedoch stetig ab, da ihre architektonische Struktur den steigenden Anforderungen an Akustik, Brandschutz und klimatische Behaglichkeit nicht mehr gerecht werden konnte. Konstruktive Probleme und statische Verformungen machten schlussendlich eine teilweise Sperrung der Halle notwendig, was den Erhalt der Konstruktion in ihrer Gesamtheit in Frage stellte.

Dagegen formierte sich jedoch ein breiter und prominent besetzter Unterstützerkreis, der 2017 erreichte, dass ein politischer Beschluss zur Sanierung und Neunutzung der Halle gefasst wurde, wodurch ein neues Kapitel in der Geschichte der Multihalle aufgeschlagen werden konnte.

Dazu trägt der Wettbewerb entscheidend bei. Seine Ergebnisse sollen es nicht nur ermöglichen, ihre architektonische Struktur zu erhalten, sondern vor allem die sich in ihr manifestierenden Ideale des Denkens Frei Ottos, die ihre Entstehung wesentlich beeinflussten, neu zu interpretieren und in die Zukunft fortzuschreiben. Der die Halle umgebende urbane Landschaftsraum mit seinen Freizeitfunktionen soll in den Entwürfen dabei ebenso Berücksichtigung finden, wie die soziale Integration der angrenzenden Stadtteile vor dem Hintergrund der vitalen Mannheimer Kulturszene.

Frei Ottos konzeptionell-visionäre Programmatik der Multihalle soll als experimentelles Stadt-Labor und offener Raum für eine offene Gesellschaft aktualisiert werden, in dem die Einwohner Mannheims durch Sport-, Freizeit- und kulturelle Angebote zusammenfinden und dadurch die Basis für ein soziales Labor etablieren, in dem zukunftsweisende Methoden und Formen des urbanen Zusammenlebens entwickelt und erforscht werden können. Die Dachkonstruktion der Multihalle soll dieser visionären Nutzung nicht nur den notwendigen Raum bieten, sondern durch ihre ikonographische Architektur die Idee eines “Democratic Umbrella” in der öffentlichen Wahrnehmung symbolisieren.

Die Zielsetzung des Wettbewerbs ist es daher, ein neues Nutzungsprogramm für die Multihalle zu entwerfen und dieses architektonisch auszuformulieren. Die Nutzung soll sowohl dauerhafte, wie auch temporäre Elemente enthalten und daneben Raum für zukünftige Nutzungen bieten, die auf dem individuellen Entwurfsgedanken aufbauen – ganz im Sinne Frei Ottos und Carlfried Mutschlers sowie dessen Büropartners Joachim Langner, die von der Gegenwart aus bereits die gesellschaftliche und architektonische Zukunft imaginierten. Aus diesem Grund soll durch die explizite Öffnung des Wettbewerbs für Master- Studierende, AbsolventenInnen und junge ArchitektenInnen die demographische Verteilung von gesellschaftlicher Verantwortung stärker in die Hände der jüngeren Architektengenerationen gelegt werden.

Dazu Lothar Quast, Mannheims Bürgermeister für Bauen, Planung, Infrastruktur, Stadterneuerung, Wohnungsbau, Verkehr und Sport:

„Neben dem Aufbringen der finanziellen Mittel für die Sanierung ist eine langfristige Nutzungsperspektive entscheidend für die Zukunft der Multihalle. Ziel des Wettbewerbs ist es, ein interdisziplinäres Nutzungsprogramm architektonisch auszuformulieren. Die Nutzung soll sowohl dauerhafte, wie auch temporäre Elemente enthalten und daneben Raum für zukünftige Nutzungen bieten.

Wir freuen uns, dass wir eine hochkarätige internationale Jury gewinnen konnten, die sich zum großen Teil ehrenamtlich für das Projekt engagiert. Wir hoffen auf zahlreiche – im Sinne Frei Ottos – experimentelle Vorschläge und wünschen uns eine rege Beteiligung der jüngeren Architektengeneration. Wir bedanken uns bei der Architektenkammer Baden-Württemberg und der IBA Heidelberg für Ihre konzeptionelle Unterstützung sowie dem BDA Baden-Württemberg und der Firma Wilkhahn für die Kofinanzierung der Preisgelder.“

Preisgericht (alphabetisch)

Aufgrund der Vielschichtigkeit, Besonderheit und Komplexität der Aufgabe wurde darauf Wert gelegt, das Preisgericht nicht nur international sondern auch interdisziplinär zu besetzen, um allen relevanten Parametern der Entwicklung der Multihalle Rechnung zu tragen.

FachpreisrichterInnen:

Tobias Armborst – Interboro, New York
Prof. Fritz Auer – Auer & Weber Architekten, Stuttgart
Prof. Volkmar Bleicher – Transsolar Stuttgart
Peter Cachola Schmal – Deutsches Architekturmuseum Frankfurt a.M.
Anne-Cathrine Fleith –Studio feld72, Wien
Prof. Undine Giseke – Landschaftsarchitektin, TU Berlin
Nanni Grau – Architektin, Hütten und Paläste, Berlin
Prof. Dirk Hebel – Karlsruher Institut für Technologie
Prof. Dr. Jan Knippers – ITKE, Universität Stuttgart
Irene Meissner - Architekturmuseum München der TU München
Johannes Tovatt – tovatt architects and planners ab
Alexander Vohl – Landesvorsitzender des BDA Baden-Württemberg
Prof. Dr. Georg Vrachliotis – Karlsruher Institut für Technologie, Leiter des Südwestdeutschen Archivs für Architektur und Ingenieurbau (saai)

SachpreisrichterInnen:

Frauke Burgdorff – burgdorffstadt – Agentur für Kooperative Stadtentwicklung, Bochum
Tatjana Dürr – Stabsstelle Baukultur, Stadt Mannheim
Dr. Ute Fahrbach-Dreher – Landesamt für Denkmalpflege, Karlsruhe
Helen Heberer – Stadträtin im Gemeinderat Mannheim
Christine Kanstinger – Atelier Frei Otto und Partner
Dr. Klaus Kufeld – Philosoph, Autor, Dozent, Ludwigshafen
Dr. Peter Kurz – Oberbürgermeister der Stadt Mannheim
Lothar Quast – Baubürgermeister der Stadt Mannheim
Steffen Ratzel – Stadtrat im Gemeinderat Mannheim

Stellvertretende PreisrichterInnen:

Stephan Weber – Vizepräsident Architektenkammer Baden-Württemberg
Bernhard Wondra – Vorsitzender BDA-Kreisgruppe Mannheim
Carl Zillich – Kuratorischer Leiter Internationale Bauaustellung Heidelberg

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Weitere Infos und Registrierung zum Wettbewerb:
www.mannheim-multihalle.de
https://mannheim-multihalle.de/wettbewerb/
 

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