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Zentralitäten 4.0 – Mittelzentren im Zeitalter der Digitalisierung

Geschrieben am 28.10.2018
Kategorie(n): ARCH+ news, Symposium, Uni Kassel, ländlicher Raum

Symposium Do 22. & Fr. 23.11.2018,
Universität Kassel, ASL-Gebäude, Raum 0106/0105

Zentralitäten 4.0 - Mittelzentren im Zeitalter der Digitalisierung

Im Zuge der Digitalisierung zeichnet sich ein rasanter Wandel der Strukturen des Einzelhandels, der Mobilitätsangebote und der Daseinsvorsorge ab. Dieser Wandel beeinflusst auch die Entwicklung der Mittelzentren in Deutschland. Angesichts zunehmender Disparitäten zwischen den ländlichen Räumen und den Metropolregionen verändert sich die Rolle der Mittelzentren ohnehin seit Jahren. Durch technologische Neuerungen wie Onlinehandel, autonomes Fahren oder Telemedizin ist damit zu rechnen, dass manche zentralörtlichen Funktionen noch weiter modifiziert werden. In Zukunft werden einzelne kommunale Aufgaben durch Koproduktion zivilgesellschaftlicher Akteure gestützt, durch neue Angebote ersetzt oder gar ganz entfallen, aber auch neue Aufgaben hinzukommen. Die ursprünglichen Steuerungsmodelle der Raumordnung, die unter ganz anderen ökonomischen und technischen Rahmenbedingungen entwickelt wurden, müssen langfristig an diese Veränderungen angepasst werden.

Am ersten Tag der Veranstaltung wird daher diskutiert, welche Veränderungen der verkehrlichen, ökonomischen und sozialen Strukturen sich im Zuge der Digitalisierung ergeben und wie sich diese auf die Attraktivität und die Aufgaben von Mittelstädten auswirken.

Fokus des zweiten Tages ist dann die Frage wie sich dadurch das Grundverständnis von Daseinsvorsorge sowie die Rolle von Mittelzentren verändern wird und ob dies Auswirkungen auf die Praxis der normativen Zuweisung von zentralörtlichen Aufgaben haben muss.

Donnerstag 22. November 10:30 – 18:00
Digitalisierung und neue Mobilität

Die Digitalisierung wird die räumlichen Bezüge von vielen Alltagsaktivitäten und wirtschaftlichen Prozessen verändern. Manche Einkäufe und Dienstleistungen, für die heute noch lange Wege nötig sind, könnten zukünftig virtuell erledigt werden. Mit dieser ?digitalen Daseinsvorsorge“ ist die Frage verbunden, ob solche ubiquitären Angebote wie Telemedizin und Onlinehandel die traditionelle Versorgung ersetzen können, sollen oder dürfen. Doch auch wenn weiterhin stationäre Angebote dominieren sollten, werden sich die Wege dorthin durch neue Mobilitätsformen und -angebote deutlich verändern.

Vorträge von:
Stephan Rammler – Zukunfts- und Mobilitätsforscher, HfbK Braunschweig
Kai Vöckler – Hochschule Offenbach
Mathias Mitteregger – Technische Universität Wien
Tobias Kuhnimhof – Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR), Institut für Verkehrsforschung
Annemarie Wojtech – Fraunhofer Institut für Supply Chain Services, Nürnberg
Kai Bachmann – Zweckverband Raum Kassel
Florian Ismaier – Hessisches Ministerium für Wirtschaft, Energie, Verkehr und Landesentwicklung
Frank Roost – Universität Kassel
Verena Brehm – Universität Kassel
Philipp Oswalt – Universität Kassel

18 Uhr: Keynote-Lecture von Steven Graham (Newcastle University): Network City – new centralities and the effect of digitalization.
This lecture will explore the complex relations between digital media and urban centrality. With pervasive digitalisation and platform-capitalism 'remediating' every aspect of urban life, it will provide an overview of the changing urban geographies of centrality and development that result. The lecture will have parts. First, the assumptions, common between the 1960s and 1990s, that digital media would simply substitute for urban centrality are explored. Second, the processes through which comprehensive digitisation have added to the power and pull of major 'global' cities since the 1990s are analysed. Third, the lecture will finish with a discussion of the prospects for decentering geographical economies and societies that are overly-centralisied on major metropolitan hubs in the contemporary period.

Freitag, 23. November, 9:00 – 18:00
Planungsalltag in Mittelzentren und neue Ansätze der Landesentwicklung

Im ländlichen Raum sind viele Mittelzentren und ihr Einzugsbereich von einem Bevölkerungsrückgang betroffen, der deren Status in Bezug auf rein quantitative Faktoren langfristig in Frage stellt. In wachsenden Regionen hingegen gewinnen die Mittelzentren zwar an Bevölkerung, doch in funktionaler Hinsicht wird deren Rolle geschwächt: die Attraktivität der Oberzentren und die Bedeutung der spezialisierten Standorte im suburbanen Raum steigen im Zuge eines Booms moderner urbaner Dienstleistungen, der weit über die Aufgaben klassischer staatlich geordneter Zentralität hinausgeht. Im Zuge dieser fortschreitenden räumlichen Disparitäten steht der Umgang mit den Mittelzentren im Fokus der Diskussion, deren Aufgaben sich so deutlich geändert haben, dass die ursprünglichen Steuerungsmodelle weiter entwickelt werden müssen. Der zweite Tag der Veranstaltung dient der Bestandsaufnahme dieses divergierenden Planungsalltags in Mittelzentren in wachsenden und in schrumpfenden Räumen sowie unterschiedlicher Planungsansätze bei der Landesentwicklung, die sich aus den neuen Erfordernissen ergeben.

Vorträge von:
Rainer Danielzyk – Universität Hannover
Michael Bentlage – Technische Universität München
Christoph Trinemeier – Verband Region Rhein-Neckar
Dirk Michaelis – Landkreis Stendal
Thomas Walter – Thüringer Ministerium für Infrastruktur und Landwirtschaft
Oliver Junk – Oberbürgermeister Goslar
Claudia Neu – Universität Göttingen/ Universität Kassel
Stefan Rettich – Universität Kassel

16 Uhr: Abschluss-Panel
Vor dem Hintergrund von Digitalisierung, Globalisierung und gesellschaftlichem Wandel verändern sich Arten und Funktionen von Zentralität. Die Anforderungen an den Staat zur Regulierung der Raumentwicklung und zur Kompensation von Defiziten ändern sich wesentlich. Was bedeutet Zentralität heute? Was sind zentrale Orte und welche Aufgaben kommen Ihnen zu? Welche Governance Strategien sollte der Staat in Zukunft verfolgen? Welche Rolle und Initiative soll der Staat in Räumen wahrnehmen, die von Globalisierungsverlusten und Peripherisierungsprozessen geprägt sind?

Jörg Dürrschmidt – Hochschule Ludwigsburg
Rolf-Dieter Postlep – Expertenkreis des Hessisches Ministerium für Wirtschaft, Energie, Verkehr und Landesentwicklung
Kerstin Faber – Internationale Bauausstellung Thüringen
Philipp Oswalt – Universität Kassel


Ausführliches Programm unter: www.uni-kassel.de/zentralitaeten-40-mittelzentren-im-zeitalter-der-digitalisierung

KONZEPTION

Universität Kassel – Fachbereich Architektur, Stadtplanung, Landschaftsplanung
Fachgebiet Architekturtheorie und Entwerfen, Prof. Philipp Oswalt
Fachgebiet Städtebau, Prof. Stefan Rettich
Fachgebiet Stadt- und Regionalplanung, Prof. Dr. Frank Roost

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