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IGmAde: 50+ Jahre Architektur, Theorie & Poiesis

IGmAde: 50+ Years of Architecture, Theory & Poiesis
im / at Württembergischer Kunstverein Stuttgart:
Internationale Konferenz / International Conference: 22.–24.11.2018
Ausstellung im Rahmen der Reihe „Querungen“ / Exhibition as part of the series “Crossings”: 23.11.–09.12.

Antrittsvorlesung / Inaugural lecture Stephan Trüby: 22.11., 18 h
Universität Stuttgart, K2, Tiefenhörsaal 17.01
 

IGmAde: 50+ Jahre Architektur, Theorie & Poiesis

Die Konferenz rekapituliert den Architekturdiskurs der letzten 50 Jahre in Deutschland und darüberhinaus aus der Perspektive des IGmA. Zwei Abendveranstaltungen widmen sich – inspiriert von Jürgen Joedickes Institutsgründung und seinem historiografischen Generationenmodell – Fragen nach der Rolle von Institutionen (23. November) bzw. Generationen (24. November) im Architekturdiskurs. IGmAde – 50+ Jahre Architektur, Theorie und Poiesis zeichnet zentrale Entwicklungslinien des architektonischen und architekturtheoretischen Denkens nach und wirft Blicke in die Zukunft des Bauens.

The conference revisits the last 50 years of architectural discourse in Germany and beyond through the lens of the IGmA. Two evening events – inspired by Jürgen Joedicke’s founding of the institute and his generational approach to architectural history – are devoted to the role of institutions (23 November) and generations (24 November) in architectural discourse. IGmAde – 50+ years of Architecture, Theory and Poiesis traces central themes in the development of architectural thinking and architectural theory – and looks ahead to the future of architecture.

Mit / With Ursula Baus, Stefan Behnisch, Inés de Castro, Werner Durth, Oliver Elser, Jesko Fezer, Sokratis Georgiadis, Susanne Hauser, Fabienne Hoelzel, Momoyo Kaijima (Atelier Bow-Wow), Anne Kockelkorn, Wilfried Kuehn (Kuehn Malvezzi), Mona Mahall & Asli Serbest, Jürgen Mayer H., Achim Menges, Johanna Meyer-Grohbrügge (June14), Marianne Mueller (Casper Mueller Kneer), Vittorio Magnago Lampugnani, Ferdinand Ludwig, Claudia Mareis, Michaela Ott, Oda Pälmke, Wolfgang Pehnt , Klaus Jan Philipp, Wolf Reuter, Iris Reuther, Vladimir Šlapeta, Werner Sobek, Manfred Speidel, Regina Stephan, Bohdan Tscherkes, Bernard Tschumi, Philip Ursprung, Christian Vöhringer, Georg Vrachliotis, Frank Werner, Karin Wilhelm uvm.

Die Ausstellung versammelt wichtige Zeugnisse aus dem Kontext der Geschichte des IGmA. 1967 wurde das Institut gegründet, und im selben Jahr erschien Marshall McLuhans wegweisendes Buch The Medium is the Massage – An Inventory of Effects. Frei nach dessen zentraler These, dass jedes Medium nicht nur Botschaften (messages) aussendet, sondern auch die menschliche Wahrnehmungsfähigkeit auf seine Weise „massiert“,also beeinflusst, werden die Poietiken des IGmA
– Bücher, Magazine, Gebäude, Exkursionen, Lehrangebote und Forschungsergebnisse – nachmedialen Kategorien geordnet präsentiert.

The exhibition presents milestones in the historyof the IGmA. Not only is 1967 the year in which the IGmA was founded, it was also the yearin which Marshall McLuhan’s seminal book, The Medium is the Massage – An Inventory of Effects, was published. Following the book’s central thesis suggesting that each medium not only sends messages, but also simultaneously “massages” (influences) human perception, the poietics of IGmA – its books, magazines, buildings, excursions, courses, and research findings – are presented according to various media categories.

 

IGmAde: 50+ Jahre Architektur, Theorie & Poiesis

 

VORWORT

2018 feiert die Architekturwelt das 50. Gründungsjubiläum des Stuttgarter Instituts für Grundlagen moderner Architektur und Entwerfen (IGmA), dem ersten und bis heute größten Institut für Architekturtheorie und Entwerfen in Deutschland. Anlässlich des Jubiläums veranstaltet die Universität Stuttgart vom 22. bis 24. November 2018 eine internationale Konferenz zur Architekturtheorie mit dem Titel IGmAde – 50+ Jahre Architektur, Theorie und Poiesis. Am 23. November 2018 eröffnet abends die gleichnamige Jubiläumsausstellung in Kooperation mit dem Württembergischen Kunstverein.

Das IGmA wurde 1967 gegründet und bezog Position gegen die Theoriefeindlichkeit einer dogmatisch erstarrten Moderne. Im revolutionären Jahr 1968 nahm es seinen geregelten Lehrbetrieb auf. Mehr als ein Vierteljahrhundert lang, von 1967 bis 1993, wurde es von seinem Gründer Jürgen Joedicke geleitet – mit größter internationaler Resonanz. In dieser Ära standen die Geschichte der modernen Architektur und Interpretationen des zeitgenössischen Bauens, aber auch die theoretischen Grundlagen der Architektur und ihre Umsetzung in Gebautes im Vordergrund. Die beiden im Krämer-Verlag erschienenen und mit dem Namen Jürgen Joedicke verbundenen Schriftenreihen – die in 14 Bänden erschienenen Dokumente der modernen Architektur (1961–81) und die in neun Bänden erschienenen Arbeitsberichte zur Planungsmethodik (1969–75) – stellen dies bis heute unter Beweis. Von Anfang an orientierte sich das Institut an Zeitthemen: an Diskussionen über Potentiale der Planungstheorie und Nutzerbeteiligung oder die Relevanz der historischen Stadt. Ebenso war von Anfang an die Verknüpfung von Entwurfslehre und theoretischer Reflexion Programm. Dies schulte das kontextuelle Denken der Studierenden, die ihr Handeln an der Frage ausrichten sollten: Wie wollen wir leben und welche urbane Umwelt wünschen wir uns?

Nach der Emeritierung Jürgen Joedickes übernahm Werner Durth das IGmA, der dort von 1993 bis 1998 seine historischen Studien zum Verhältnis von Tradition und Moderne fortführte. Unter Durth gab es auch eine wichtige, wenngleich fast unmerkliche Umbenennung des Instituts: aus „Grundlagen der modernen“ wurde „Grundlagen moderner Architektur“ – gerade angesichts des Mauerfalls war es mehr als nachvollziehbar, dass „moderne Architektur“ nur im Plural gedacht werden kann. Durths IGmAForschungen fanden ihren wichtigsten Niederschlag in dem zweibändigen Monumentalwerk Architektur und Städtebau der DDR (1998).

Nach einem „Interregnum“, in das im Winter 1998/99 unter der Leitung von Wolfgang Schwinge ein Symposium zum dreißigjährigen Jubiläum des IGmA fiel, übernahm 2001 Gerd de Bruyn den Vorstand des Instituts, das er bis 2018 leitete. Unter ihm blieb das Institut weiterhin seiner Sonderrolle verpflichtet, die konventionellen Grenzen des Bauens zu erweitern und zu überschreiten sowie sich in besonderer Weise um die Vermittlung von Theorie, Kunst und Technik, Natur- und Kulturwissenschaften zu bemühen. Hinzu kamen unter de Bruyn Auseinandersetzungen mit Phänomenen wie der Mode und den Neuen Medien, des Weiteren die Analyse des Wissenschaftscharakters der Architektur sowie das Bauen mit lebenden Pflanzen (Baubotanik).

Initiiert von Stephan Trüby, der im April 2018 die Leitung des IGmA übernahm, geben die Ausstellung und Konferenz neue Einblicke in fünfzig spannende Architektur- und IGmA-Jahre, in denen es nicht zuletzt um die Verschränkungen und Distanzen von Theorie und Entwurf gehen soll. Dabei wird um einen nicht-naiven Praxis-Begriff nicht herumzukommen sein. Praxis, schreibt etwa Aristoteles in der Nikomachischen Ethik, ist eine Handlung, die ihren Zweck in sich selbst trägt. Dem gegenüber stellt er mit der Poiesis eine Handlung, deren Zweck das unabhängig von dieser Handlung weiterexistierende Werk ist. Nur „Poiesis“ kulminiert in Artefakten und Gebäuden, nicht „Praxis“. Wenn wir vom Bauen und vor allem von Bauwerken sprechen, sprechen wir also besser von der Poiesis als von der Praxis der Architektur. Und bezeichnen wir die Bücher, die Zeitschriften, die Gebäude, die Exkursionen und Reiseberichte sowie die Forschungsberichte und Lehrangebote, die während des letzten halben Jahrhunderts am IGmA oder in dessen Umfeld entstanden, retroaktiv als „Poietiken“. Als Poietiken, die als „igmade-Artefakte“ zur Reflexion einladen in dem Sinne, dass sie am, vom oder in geistiger Nähe zum IGmA gemacht wurden.

 

PREFACE

In 2018, the architecture community celebrates the 50th anniversary of the Institute for Principles of Modern Architecture (Design and Theory) (IGmA), the first and largest institute for architectural theory and design in Germany. On the occasion of this anniversary, the University of Stuttgart is hosting an international conference on architectural theory from 22 to 24 November 2018 entitled IGmAde – 50+ Years of Architecture, Theory and Poiesis. In cooperation with the Württembergischer Kunstverein, the eponymous anniversary exhibition will open on the evening of 23 November 2018.

The IGmA was founded in 1967 in answer to the prevailing anti-theoretical stance of modernism paralyzed by dogma, and in the revolutionary year of 1968 launched its regular teaching operations. Its founder, Jürgen Joedicke, was head of the institute for more than a quarter of a century, from 1967 to 1993. During his tenure, the institute came to prominence by focusing not only on the history of modern architecture and interpretations of contemporary architecture, but also on the theoretical foundations of architecture and their implementation in practice. The two publication series – Dokumente der modernen Architektur (Documents of Modern Architecture, published by Karl Krämer Verlag in 14 volumes, 1961–81) and Arbeitsberichte zur Planungsmethodik (Proceedings on Planning Methodology, published in 9 volumes, 1969–75) – bear witness to this orientation. From the very start, the institute dedicated itself to contemporary issues, such as the potential of planning theory and user participation, and the relevance of the historical city. At the IGmA, the combination of design theory and theoretical reflection was a program in itself. This trained the contextual thinking of the students, who were encouraged to direct their attention and actions to the question: How do we want to live and what urban environment do we want?

After Jürgen Joedicke’s retirement, Werner Durth became the new director of the institute, and from 1993 to 1998 continued his research on the historical relationship between tradition and modernism. During this period, an important, though subtle, change was made to the institute’s German name, so that “principles of the modern architecture” became “principles of modern architecture.” Especially given the fall of the Berlin Wall and the unification of East and West Germany, it was more than understandable that “modern architecture” could only be thought of in its plural form. Durth’s IGmA research is documented in the two-volume publication Architektur und Städtebau der DDR (Architecture and Urban Planning in the GDR; 1998).

After an interregnum, during which a symposium for the 30th anniversary of the IGmA was held in the winter of 1998/99 under the direction of Wolfgang Schwinge, Gerd de Bruyn served as head of the institute from 2001 to 2018. Under de Bruyn, the IGmA continued to live up to its special role as an interdisciplinary institute that extends and transcends the conventional boundaries of architecture, one particularly dedicated to teaching theory, art, technology, and the natural and cultural sciences. In addition, de Bruyn dealt with phenomena such as fashion and new media, the analysis of the scientific nature of architecture, and building with living plants (biotechnical design).

Initiated by Stephan Trüby, the new director of the IGmA since April 2018, the exhibition and conference now aim to provide new insights into 50 exciting years of architecture and the IGmA, which are not least about the entanglements and distances between theory and design, and accordingly, the notion of practice. In his Nicomachean Ethics, Aristotle writes that practice is action that finds its purpose in itself. He contrasts this with “poiesis,” an action whose purpose exists independent of and beyond the action. Only poiesis culminates in artifacts and buildings, not practice. For this reason, when we speak of buildings, we prefer to speak of the poiesis – not the practice – of architecture. And by extension, we use the word “poietics” to refer to all the books, magazines, buildings, excursions, travelogues, research papers, and courses that have come into being over the last half-century at or in the context of the IGmA. As such, they invite us to reflect upon them as “ig-made artifacts.”

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