bauhaus imaginista:
Ausstellung & Konferenzen
im Haus der Kulturen der Welt

Geschrieben am 01.05.2019
Kategorie(n): ARCH+ news, Bauhaus, bauhaus imaginista, HKW, Haus der Kulturen der Welt, Konferenz

Ausstellung bauhaus imaginista: 15. März – 10. Juni 2019.

Konferenz A New School: 11.–12. Mai 2019, Sa 11–20h, So 14–18h, freier Eintritt

bauhaus imaginista, Stlll Undead: Kurt Schwerdtfeger Reflektorische Farblichtspiele, 1922. Lichtperformance, Detailfoto des rekonstruierten Apparats von 2016 Courtesy of Microscope Gallery and Kurt Schwerdtfeger Estate © 2016 Schwerdtfeger: Reflektorische Farblichtspiele. Courtesy Microscope Gallery, Kurt Schwerdtfeger Estate © 2016

Konferenzen befragen das kritische Potential des Bauhauses heute:
political imaginista diskutierte am 16. März Strategien des Widerstands gegen die neue Rechte sowie Fragen zu Internationalismus, kultureller Aneignung und der Politisierung von Kunst, Technologie und Popkultur.

A New School, die zweite Konferenz am 11.–12. Mai, diskutiert das Bauhaus anhand von Beispielen aus China, Indien, Marokko, Nigeria und den USA, im Kontext der Entwicklung einer experimentellen Kunst- und Designpädagogik über zeitliche und räumliche Grenzen hinweg. 

Am Vorabend der Konferenz A New School, am Freitag, den 10. Mai 2019 um 19 Uhr, findet in Kooperation mit bauhaus imaginista im ARCH+ Salon The Most Beautiful Campus in Africa in der Friedrichstraße 23A in Berlin eine Filmvorführung und Buchpräsentation statt. Der Film des Architekten Zvi Efrat portraitiert Arieh Sharons Universitätsbau in Nigeria, und in Efrats Buch The Object of Zionism. The Architecture of Israel untersucht er ausführlich und kritisch, welche Rolle und Programmatik die Architekturen und Siedlungsprojekte von Arieh Sharon im Prozess des Aufbaus des neuen Staates Israel spielten.

Anschließend Diskussion mit den Expert*innen:
Bayo Amole (Prof. für Architektur, Obafemi Awolowo University, Ile-Ife, Nigeria)
Mujidat Olubola Babalola, (Prof. und Dean, Faculty of Environmental Design and Management, Obafemi Awolowo University, Ile-Ife, Nigeria)
Babatunde E. Jaiyeoba (Prof. für Architektur, Obafemi Awolowo University, Ile-Ife)
Marion von Osten (Künstlerische Leitung bauhaus imaginista, Berlin)
Christian Hiller (Redakteur ARCH+, Berlin)

Mehr zum ARCH+ Salon: The Most Beautiful Campus in Africa


Konferenz A New School im Haus der Kulturen der Welt
11.–12. Mai 2019
Panels: Sa 11.5. 11–20.30h (Eintritt frei)
Workshops: So 12.5. 14–18.30h (Eintritt frei, mit Anmeldung, beschränkte Platzzahl)

Die Konferenz untersucht pädagogische Konzepte in Brasilien, China, Deutschland, Großbritannien, Indien, Nigeria, Ruanda und den USA sowie ihre Relevanz für die zeitgenössische Bildung. Ausgehend von der progressiven Ausrichtung dieser Konzepte untersuchen Panels und Workshops, ob die heutige Kunst- und Designausbildung auf ein soziales Projekt hin ausgerichtet werden kann statt Finanzmodellen zu entsprechen. Drei Workshops nehmen die Ausbildung in zeitgenössischer Kunst und Gestaltung in den Blick, und stellen haptische, manuelle und praktische Prozesse in den Vordergrund, die - obwohl ebenso wichtig - oft von einem kognitiven Ansatz überschattet werden. Die Workshops untersuchen, welche Wege kollektiven Lernens und der Selbstorganisation im Zeitalter globaler Vernetzung bedeutsam sind und welche neuen Wissensformen und Handlungsweisen es braucht, um gegenwärtigen Herausforderungen zu begegnen.
 

PROGRAMM SAMSTAG, 11. Mai
Auf Englisch mit Simultanübersetzung ins Deutsche
Eintritt frei

11h Einführung
Marion von Osten und Grant Watson, Kurator*innen bauhaus imaginista

11.30–13.30h Panel 1

Moving Away from Bauhaus and Ulm: The Evolution of the Foundation Program at the National Institute of Design, Ahmedabad
Suchitra Balasubrahmanyan

A Virtual Cosmopolis: The Bauhaus and Khala Bhavan
Partha Mitter

Muriel Cooper at MIT and the Persistence of the Bauhaus
Robert Wiesenberger

Form-giving is movement, action. Form-giving is life” (Paul Klee) – Towards a Tangible Pedagogy
Regina Bittner

14.30–16.30h Panel 2

On Misunderstandings and Translations: Copies from the Past or Inspiration for the Future?
Eduard Kögel

The Legacy of Arieh Sharon’s Modernist Architecture at the Obafemi Awolowo University in Ile-Ife Nigeria
Bayo Amole

A Postcolonial Learning Space: The New Culture Studios in Ibadan, Nigeria
Demas Nwoko

The Experience of Lina Bo Bardi´s Museum of Popular Art and Her School of Industrial Design and Crafts in Bahia, Brazil
Anna Carolina Bierrenbach

17–19h Panel 3

The African Design Centre, Rwanda
Christian Benimana

Post-Architectural Circuit Diagrams
Mark Wigley

Collapsing New People: Self-fashioning in the Leeds Art Experiment
Gavin Butt

19h Abschlussdiskussion
Mit den Beitragenden, Moderation: Grant Watson und Marion von Osten, Kurator*innen bauhaus imaginista


PROGRAMM SONNTAG, 12. Mai 2019
Eintritt frei
, mit Anmeldung:
Aufgrund begrenzter Kapazitäten (20 Plätze je Sitzung) bitte zum gewünschten Workshop (1, 2 ODER 3) mit kurzer Erläuterung zum Interesse am Thema (ca. 50 Wörter) anmelden unter: anewschool@hkw.de

14–16h Einführung
Marion von Osten und Grant Watson, Kurator*innen bauhaus imaginista

Workshop 1: Über das Körperwissen
Hosts: Yael Davids
Respondent: Regina Bittner, Leiterin Akademie, Stellvertretende Direktorin Bauhaus Dessau

Der Workshop diskutiert die Schriften der Bauhaus-Textilkünstlerin und Designerin Otti Berger, mit besonderem Fokus auf ihren Essay Stoffe im Raum. Berger thematisiert die Haltbarkeit von Textilien und reflektiert damit die Sinnlichkeit der Bindung, die Stoffe evozieren. Eine Kombination von Feldenkrais-Lektion mit einer Choreographie aus textilen Elementen leitet die Teilnehmer*innen des Workshops durch den Dialog zwischen Körper und Stoff.

Workshop 2: Vom Educational Turn zur institutionellen Analyse: Gestaltung eines Lehrplans für Kunstschulen
Host: Janna Graham, Susan Kelly

Dieser Workshop setzt sich kritisch mit den Genealogien der radikalen Bildung auseinander, die in der jüngeren Vergangenheit mit dem sogenannten Educational Turn - seine Geschichten der emanzipatorischen Bildung; Kunst- und Theorieprogramme; arte útil, libertäre Bildung etc. - in der Kunstwelt aufgerufen wurden. Kann die Aktivierung dieser Narrative mit den neoliberalen Bedingungen in der Kunstschule der Gegenwart mithalten, in der radikale Lehrpläne vom radikalen Institutionenbau abgekoppelt wurden? Der Workshop stützt sich auf Geschichten und Praktiken der institutionellen Analyse in der radikalen Psychiatrie sowie auf aktuelle Fallstudien aus Universitäten in Großbritannien und andernorts, prüft die Möglichkeit neuer Protagonismen und entwickelt in einem gemeinschaftlichen Prozess einen neuen institutionellen Lehrplan.

Workshop 3: In institutionellen Leben
Hosts: Annette Krauss, Ferdiansyah Thajib
Respondent: Benjamin Foerster-Baldenius, raumlabor/ Floating University Berlin

Wie kann man gleichzeitig verschiedene institutionelle Leben führen? Dieser Workshop widmet sich der Erfahrung des Sich-Verortens in einem institutionellen Kontext, während man sich gleichzeitig in einem anderen, beispielsweise selbstorganisierten Kollektiv positioniert. Wo überschneiden sich diese verschiedenen Funktionen, wo befördern sie sich gegenseitig? Wie können sie Wege zur Wahrung, Subversion und Transformation eben dieser Institutionen eröffnen? Wie lassen sich die Grenzen zwischen der administrativen, strukturellen und institutionellen Praxis und den Praktiken des Lernens an Kunsthochschulen überwinden und neu gestalten?

16.30h Wrap up
mit den Hosts, Respondents und Workshopteilnehmer*innen

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Konferenz political imaginista
16. März 2019, 14–21.30h
Als dreijähriges Forschungsprojekt unter Beteiligung von internationalen Vertreter_innen aus zeitgenössischer Kunst und Wissenschaft angelegt, brachte bauhaus imaginista durch seine transnationale Perspektive neue historische Erkenntnisse hervor. Anlässlich aktueller Entwicklungen wie die Wahlerfolge der Ultrarechten in einer Zeit, in der Angriffe auf Demokratie, Justiz, Bürgerrechte und Presse zur Normalität geworden sind, thematisiert die Konferenz, wie diese Erkenntnisse die aktuelle politische Debatte beeinflussen könnte. Internationale Künstler*innen, Forscher_innen, Journalist_innen und Aktivist_innen erörtern politische Fragen, die sich aus den Projektrecherchen ergeben. Es geht dabei um Reflexionen zu Nationalismen und Kolonialität, um die Grenzen des Internationalismus und die Politisierung digitaler Kulturen. Die Panels thematisieren gegenwärtige Politiken und Aktionen vor dem Hintergrund der historischen Materialien und Erkenntnisse der Ausstellung.

Mit: Kader Attia, Rustom Bharucha, John R. Blakinger, Beatriz Colomina, Alice Creischer, Iris Dressler, Kodwo Eshun, Thomas Flierl, Christian Hiller, Nataša Ilić, Susanne Leeb, Sebastian de Line, Doreen Mende, Wendelien van Oldenborgh, Gloria Sutton, Mariko Takagi und Paulo Tavares

Im Jahr 2019 jährt sich die Gründung des Bauhauses zum hundertsten Mal. Von 2015 bis 2019 nimmt das projekt bauhaus – unter Mitwirkung von ARCH+ – mit einer unabhängigen internationalen Gruppe von Expertinnen und Experten aus den unterschiedlichsten Disziplinen eine kritische Inventur der Bauhausideen vor und macht den utopischen Überschuss des Bauhauses für die Gegenwart fruchtbar. 

Mit den Ausgaben ARCH+ 222 Projekt Bauhaus 1: Kann Gestaltung Gesellschaft verändern?, ARCH+ 230 Projekt Bauhaus 2: Architekturen der Globalisierung und ARCH+ 234 Datatopia haben wir je einen Kerngedanken des Bauhauses zur Diskussion gestellt und ihn auf seine Aktualität hinsichtlich der Fragestellungen und Problemlagen der Gegenwart untersucht. Das Jubiläumsjahr 2019 ist auch Anlass für weitere Diskurse:

bauhaus imaginista

Seit 2016 untersucht das Projekt bauhaus imaginista – kuratiert von Marion von Osten und Grant Watson – die internationale Verflechtungsgeschichte des Bauhauses, die nach 1933 weiterwirkte. Als Kooperation zwischen der Bauhaus Kooperation Berlin Dessau Weimar, dem Goethe-Institut und dem Haus der Kulturen der Welt (HKW) nimmt es das kosmopolitische Bauhaus zum Ausgangspunkt, um es hundert Jahre nach seiner Gründung aus einer transhistorischen und transnationalen Perspektive zu befragen. 

bauhaus imaginista wird in Zusammenarbeit mit den Forscher_innen Elissa Auther, Suchitra Balasubrahmanyan, Regina Bittner, Gavin Butt, Helena Čapková, Anshuman Dasgupta, Tatiana Efrussi, Thomas Flierl, Erin Alexa Freedman, Anja Guttenberger, Christian Hiller, Yuko Ikeda, Maud Houssais, Eduard Kögel, Toni Maraini, Mariana Meneses, Jin Motohashi, Partha Mitter, Luiza Proença, Daniel Talesnik und Hiromitsu Umemyia konzipiert und umgesetzt.

Täglich (außer Di) 11–19h. Eröffnung: 14. März 2019, 19h
Eintritt: 9/7 €, inkl. Ausstellungsguide und Zweitbesuch
Gruppen ab 8 Personen: 7/5 € pro Person
Montags / bis 16 Jahre / Berlinpass / Geflüchtete: Eintritt frei
Konferenzen: Eintritt frei

 

Seit ihrer Gründung 1919 stand die Schule in Kontakt mit avantgardistischen Bewegungen weltweit. Das Rechercheprojekt untersucht die transnationalen Beziehungen, die Korrespondenzen und Migrationsgeschichten, die über die Jahre des Bauhauses als Schule hinausreichen, und zeigt seine Bedeutung für die Gegenwart. Im HKW entfaltet sich nun eine Gesamtschau von bauhaus imaginista. Noch nie wurden die globalen Verflechtungen und lokalen Ausprägungen in diesem Umfang gezeigt. 

Der Titel bauhaus imaginista verweist auf den Imaginationsraum, den das Bauhaus öffnete, und die vielschichtigen Lesarten, die die Schule bis heute birgt. Zwischen Archivmaterialien und zeitgenössischen Beiträgen übersetzt das Projekt historische Perspektiven in Fragen zur Gegenwart: Wie lässt sich heute im Sinne des Bauhauses Kultur als soziales Projekt neu denken? Welche Art von Institutionen braucht ein solches Projekt? Wie regt das Bauhaus noch heute visionäre Praktiken und Diskurse an?

Die Ausstellung diskutiert avantgardistische Kunstschulen in Indien und Japan als Parallelgeschichten moderner Bildungsreformen. Sie verfolgt das Studium vormodernen Handwerks am Bauhaus und von Bauhäusler_innen im nord- und mittelamerikanischen Exil, sowie dessen Politisierung im post-revolutionären Mexiko, unabhängigen Marokko und in Brasilien. Sie zeigt Übersetzungen von Gestaltungsansätzen des Bauhauses in China, Nigeria und in der Sowjetunion, aber auch den innovativen Gebrauch von Medien am Bauhaus, der die Gegenwartskunst und die Popkultur bis heute prägt. 

Nach Ausstellungen, Symposien und Workshops 2018 in Rabat, Hangzhou, Kyoto und Tokyo, Saõ Paulo, Lagos, Delhi, New York sowie Moskau in Zusammenarbeit mit den Goethe-Instituten und Partner_innen vor Ort, werden die ersten drei Kapitel des Ausstellungs- und Forschungsprojekts im HKW zusammengeführt. Erstmalig gezeigt wird im HKW das vierte und letzte Kapitel Still Undead, das anhand von Kurt Schwerdtfegers Reflektorischen Farblichtspielen experimentelles Arbeiten mit Licht, Film, Fotografie und Sound untersucht. Zur Eröffnung von bauhaus imaginista wird der Apparat vorgeführt.

Im Haus der Kulturen der Welt werden Arbeiten von Anni Albers, Josef Albers, Arthur Amora, Gertrud Arndt, Ruth Asawa, Kader Attia, Lena Bergner, Lina Bo Bardi, Farid Belkahia, Susie Benally, Nandalal Bose, Mohamed Chabâa, Ahmed Cherkaoui, Lygia Clark, Alice Creischer, Muriel Cooper, Zvi Efrat, T. Lux Feininger, Luca Frei, Walter Gropius, Brion Gysin und Ian Sommerville, Trude Guermonprez, Sheila Hicks, George Hinchliffe und Ian Wood, Kenneth Josephson, Renchinchirō Kawakita, György Kepes, Paul Klee, Kurt Kranz, Otto Lindig, Elisa Martins da Silveira, Doreen Mende, Hannes Meyer, Takehiko Mizutani, László Moholy-Nagy, Max Peiffer Watenphul, Wendelien van Oldenborgh, Hélio Oiticica, The Otolith Group, Nam June Paik, Lygia Pape, I. M. Pei, Margaretha Reichardt, Geraldo Sarno, Oskar Schlemmer, Kurt Schwerdtfeger, Ivan Serpa, Arieh Sharon,Soft Cell, Rabindranath Tagore, Paulo Tavares, Lenore Tawney, Frank Tovey, Edith Tudor-Hart, Stan VanDerBeek, Andy Warhol, Marguerite Wildenhain, Margarete Willers, Iwao und Michiko Yamawaki und vielen anderen mehr gezeigt.

Begleitet wird die Ausstellung von einem Katalog sowie Führungen für Erwachsene und Familien, einem kostenlosen Online-Audioguide, einem Ferienworkshop (15.–18. April) und dem Students’ Day (18. Mai). Zur Langen Nacht der Ideen (6. Juni) finden barrierefreie  Führungen statt. Begleitend entsteht das Schulprojekt bauhaus reloaded mit vier Berliner Schulen.

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