Aus den Ruinen der Moderne wachsen

Geschrieben am 04.06.2019
Kategorie(n): ARCH+ news, commoning, Rurbanismus, Stadtkulturelle Debatte

Eine Nachbarschaftsakademie im Prinzessinnengarten Kreuzberg für die nächsten 99 Jahre
. 23. Juni 2019 — 18. September 2019

Gewachsen um zu bleiben! Prinzessinnengarten

In unserer Ausgabe ARCH+ 232: An Atlas of Commoning: Orte des Gemeinschaffens haben wir das Konzept des Prinzessinnengartens und der Nachbarschaftsakademie detailliert vorgestellt. In der gleichnamigen Ausstellung An Atlas of Commoning – beides zusammen ein Projekt des ifa (Institut für Auslandsbeziehungen) in Zusammenarbeit mit ARCH+ –, die im Sommer 2018 in Berlin gezeigt wurde und Ende Juni 2019 in Pittsburgh Weltpremiere hat, sind zwei lange Interviews mit Marco Clausen und Elizabeth Calderón Lüning Teil der multimedialen Vermittlung zu den Orte des Gemeinschaffens. Wir freuen uns, dass die Nachbarschaftsakademie ihr Profil als lebendiger Ort der Stadtgemeinschaft weiter schärft und vertieft:

Licht Luft Scheiße. Perspektiven auf Ökologie und Moderne

Licht Luft Scheiße untersucht die Geschichte der Ökologischen Frage im 20. & 21. Jahrhundert und bezieht diese auf gegenwärtige urbane Garten- und Landwirtschaftsbewegungen, auf Selbstversorgung, Recycling, Selbstbau und auf nachhaltige Stadtentwicklung. Das Projekt geht von der These aus, dass in der Moderne der 1920/30er Jahre – mit dem Bauhaus als ihrer exemplarischen Manifestation – die Denkmodelle und Praxen dessen, was in der Umweltbewegung spätestens seit den 1960er Jahren unter dem Begriff der „Nachhaltigkeit“ verhandelt wird, bereits angelegt sind. Auch wenn am Bauhaus weder unter Walter Gropius noch seinen Nachfolgern ein direktes Engagement für Naturschutz und Ressourcen vorzufinden ist, lässt sich umgekehrt für nahezu alle Protagonisten des Bauhauses eine intensive Beschäftigung mit biozentristischen Positionen wie etwa der von Raoul Heinrich Francé nachweisen.

Angesichts der ungelösten ökologischen Krise der zunehmend industrialisierten und urbanisierten Welt stellt sich die Frage, warum die frühen ganzheitlichen Ansätze zwar gedacht, entwickelt und ausprobiert, jedoch nicht in größerem Maßstab umgesetzt wurden. Und warum scheint vielen heutigen Initiativen das Wissen um die Innovationen und das Scheitern ihrer Vordenker zu fehlen?

Diesen Fragestellungen nähert sich Licht Luft Scheiße aus unterschiedlichen künstlerischen, wissenschaftlichen und politisch-aktivistischen Perspektiven. Der interdisziplinäre Anspruch des Projekts wird auch durch die einzigartige Konstellation institutioneller Partner getragen, die ein hohes Maß an Wissenstransfer und breite Publikumsrezeption verspricht. Die von Veranstaltungen begleitete Ausstellung verbindet zeitgenössische künstlerische Arbeiten und Archivmaterialien. Entlang einer strukturierenden Skalierung – von der Zelle über Boden, Pflanze, Garten, Haus, Stadt und Land bis hin zu Kreislaufwirtschaft und Posthumanismus – soll das Verhältnis von Mensch und Umwelt neu bewertet und in seiner zukünftigen Bedeutung diskutiert werden.

Historische Kristallisationspunkte der Ausstellung sind z.B. die „Biosophie“ des Schriftstellers und Fotografen Ernst Fuhrmann und die von Leberecht Migge und Elisabeth Elsaesser im Jahr 1933 gepachtete „Sonneninsel“ im Seddinsee bei Berlin. Als Ausstellungs- und Veranstaltungsorte dienen der Botanische Garten und das Botanische Museum Berlin, die neue Gesellschaft für bildende Kunst sowie die Nachbarschaftsakademie im Prinzessinnengarten Kreuzberg, sie werden durch Exkursionen in Berlin und ins brandenburgische Umland ergänzt.

Beitragende / Contributors: Mojisola Adebayo, bankleer, Julia Bar-Tal, Daniel Bejarano, Elisa T. Bertuzzo, Brett Bloom, Elizabeth Calderón Lüning, Marco Clausen, Bonnie Fortune, Paula Gioia, Ekhart Hahn, Guy Hazwi, Naomi Hennig, Marc Herbst, Nicolas Humbert, Initiative Prinzessinnengarten Kreuzberg und Commons-Abendschule, Hagit Keysar, Marion Louisgrand Sylla, Barbara Marcel, Kerstin Meyer, Sabine Meyer, Camila Nóbrega, Jan Rolletschek, Åsa Sonjasdotter, Blanka Stolz, Studiengruppe des Instituts für Kunst im Kontext an der UdK (Marisa Benjamim, Wen-Ling Chung, Marcos Garcia Pérez, Moritz Gramming, Daniela Zambrano Almidon, betreut von Claudia Hummel), Michelle Teran, Yvonne Volkart, Werner Wiartalla, Nicole Wolf, Florian Wüst. Kurzbiographien der Beteiligten

Nachbarschaftsakademie: Åsa Sonjasdotter, Marco Clausen (Kuratorische Leitung), Anthea Engelhardt (Projektassistenz), Marc Herbst, Michelle Teran (Publikation), Florian Wüst (Kurator Filmprogramm), Luca Bogoni (Graphik), Common Grounds e.V. (Organisatorische Unterstützung)

Ort: Die Laube im Prinzessinnengarten Kreuzberg, Moritzplatz / Prinzenstraße 35-38

PROGRAMM

12. Mai, 12-16 Uhr
Fertile Bodies! Fertile Stories! On knowledge and narrative of human manure /  Workshop mit Åsa Sonjasdotter, Sabine Meyer, The Prinzessinnengarten Kreuzberg Humanure Lab
Ort: Prinzessinnengarten Kreuzberg, ngbk

Mai-Juni
The Prinzessinnengarten Kreuzberg Humanure Lab / Installation von Guy Hazvi, Åsa Sonjasdotter, Blanka Stolz

6.-30. Juni
Trusting Land / Künstlerische Forschung von Bonnie Fortune und Brett Bloom

23. Juni, 10-16 Uhr
Wildnispädagogik trifft auf Landwirtschaft / Workshop mit Julia Bar-Tal
Ort: Hofkollektiv Bienenwerden

25. Juni, 18-20 Uhr
Trusting Land / Präsentation der künstlerischen Forschung von Bonnie Fortune und Brett Bloom

26. Juni, 20-22 Uhr
Ojo al Sancocho – ein audiovisuelles, kommunales und partizipatives Projekt in Bogotá / Film und Gespräch, zu Gast: Daniel Bejarano

2. August, 18-20 Uhr, 3.-4. August
Circular time, End times and the Good News / Workshop mit Marc Herbst

6., 13., 20. August, 18-20 Uhr
Reading Grounds – histories and presents of extractive Agri-cultural politics and how to resist / Workshop mit Naomi Hennig, Nicole Wolf

7. August, 21-23 Uhr
Wild Relatives (Jumana Mana, DE/LB/NO 2018, 66’)  / Filmprogramm, Gast: n.n.

7.-8. August, 18-20 Uhr
House of welcome: A fablab, a public garden and a school of the commons  in Dakar, Senegal /
Workshop mit Marion Louisgrand Sylla, Kerstin Meyer

9. August, 17-20 Uhr, 10. August 10-18 Uhr, 11. August, 11-16 Uhr
Agri/cultural practice. An experimental workshop for climate justice / Workshop mit Mojisola Adebayo, Nicole Wolf

13. August, 18-20:30 Uhr
Peasantry in Europe, Global Connections and the Struggle of La Via Campesina / Workshop mit Paula Gioia

14. August, 21 Uhr
Die Enteignung (Jörg Gförer, Wolfgang Jung, Walter Krieg, BRD 1975, 52’) / Filmprogramm

17. August 18-20 Uhr, 24. August, 11-14 Uhr, 27. August, 18-20 Uhr
Reimagining urban futures in Prinzessinnengarten / Workshop mit Elizabeth Calderón Lüning und Hagit Keysar

21. August, 21 Uhr
Wer keinen Mut zum Träumen hat, hat keine Kraft zu kämpfen (Bernd Friedmann, Wolfgang Krajewski, Rainer Lutter, Klaus G. Otto, Hans Rombach, Bernd Uhde, BRD 1979, 80) / Filmprogramm

22. August, 18-20 Uhr
Zwischen Stadtautobahn und Ökotopia. Ökologischer Stadtumbau in den 1980er Jahren und seine Relevanz für heute / Gespräch mit Ekhart Hahn, Werner Wiartalla und Marco Clausen

22.-25. August
99 Jahre Prinzessinnengarten Kreuzberg als Gemeingut / Beteiligungsfestival der Initiative Prinzessinnengarten Kreuzberg

22. August
Creuzberg Commons / Installation der Initiative Prinzessinnengarten Kreuzberg

23. August, 19 Uhr
Trusting Land /  Performance der künstlerischen Forschung von Brett Bloom undBonny Fortune, Performer: n.n.

24.8 August, 16-19 Uhr
Wunschproduktion 99 Jahre Prinzessinnengarten als Gemeingut / Beteiligungsprogramm der
Initiative Prinzessinnengarten Kreuzberg und der Commons-Abendschule

24. August, 15-16:30 Uhr (deutsch), 30. August, 18-19:30 Uhr (english)
Trouble in Paradise: Über Geschichte, Gegenwart und mögliche Zukünfte des Prinzessinnengarten Kreuzberg / On the History, the Present and Possible Futures of Prinzessinnengarten Kreuzberg  / Spaziergang mit Marco Clausen

25. August
Kartoffeln, Jam und Löwenzahn – Vier stadtökologisch-biographische Aktionen / Workshops der Studiengruppe des Instituts für Kunst im Kontext der UdK, betreut von Claudia Hummel
Terreno, Spaziergang mit Marisa Benjamim, 11 Uhr
Tee aus der Region, Spaziergang und Tee-Experimente mit Wen-Ling Chung, 14 Uhr
Rezeptwagen, Aktion mit Marcos Garcia Pérez & Moritz Gramming, 15 Uhr
Koloniale Kartoffelgeschichte(n), Aktion mit Daniela Zambrano Almidon, 17 Uhr

28. August, 20 Uhr
Wild Plants (Nicolas Humbert, DE/CH 2016, 108’) / Filmprogramm, zu Gast: Nicolas Humbert

29. August
Für eine Öko-Logik der Sorge und des Werdens / Vortrag von Yvonne Volkart
Ort: ngbk

4. September, 18-20 Uhr
On the struggle of landless movement and indigenous groups in Brazil (Arbeitstitel) /  Gespräch mit Camila Nóbrega and Barbara Marcel – In Kooperation mit „Situated knowledge / Global ecologies: a collaborative Walkshop Ramble“

4. September, 20 Uhr
Chão – Landless (Camila Freitas, BR 2019, 112’), Filmprogramm, Gäste: Barbara Marcel, Camila Nóbrega, n.n.

5. September, 18-20 Uhr
Selbstversorgung in der Stadt: unrealisierbare Spinnerei oder konkrete Utopie?  / Gespräch mit Elisa T. Bertuzzo

6. September, 18-20 Uhr
GEMEINWOHL, GEMEINSINN, GEMEINSEIN. Über das Projekt Re-Eden-Projekt und die Obstbaukolonie Eden / Gespräch mit bankleer

6. September
Appelkopp-Performance / Performance von bankleer

10. September, 18-20 Uhr
Bodenfrage und wirkliche Demokratie. Was können wir von Gustav Landauer lernen? / Vortrag und Diskussion mit Jan Rolletschek

10. September, 18-20 Uhr
Die rote Linie – Widerstand im Hambacher Forst (Karin de Miguel Wessendorf, DE 2019, 115’) / Filmprogramm

 

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