Gruppe Lifestyle: MCACM – Store

Geschrieben am 02.10.2019
Kategorie(n): ARCH+ news, Ausstellung

Eine Installation von Gruppe Lifestyle im Raum Vollreinigung
Eröffnung: Freitag, 11. Oktober 2019, 19 Uhr
Ausstellung: 12. und 13. Oktober 2019, 14 bis 18 Uhr
Ort: Raum Vollreinigung, Gitschiner Str. / Wassertorstraße 65, 10969 Berlin

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Museumsshops stehen für eine Kommerzialisierung von Kultur, und doch sind sie in der Absurdität ihres Angebots äußerst unterhaltsam. Sie bieten ein Best-of des zugehörigen Museums und erlauben die haptische Aneignung: In Form von Tassen, Mousepads und Brillenetuis grabbeln wir uns durch die Kunstgeschichte, zeitgenössische Kunst tragen wir als Buttons und T-Shirts am Körper. Gruppe Lifestyle versteht das Format „Museumsshop“ als ein Werkzeug der Verinnerlichung.

Gummihandschuhe berühren Glas, die Ärmel der Overalls sind lässig zurückgekrempelt, der Staubsauger spielt mit dem Schmutz, Schaum schäumt, das Linoleum wird sanft, aber bestimmt poliert: Putzen und Pflegen können Spaß machen, sie haben aber als reproduktive Formen von Arbeit ein geringes Ansehen. Und das, obwohl sie nach Mierle Laderman Ukeles zu jenen entscheidenden Tätigkeiten gehören, die zwischen uns und der Entropie des Universums stehen. Wer putzt, bewahrt, wer putzt, kümmert sich um den Fortbestand der Dinge, anstatt immer nur das Neue zu konsumieren. Inmitten einer zerstörerischen Gegenwart sucht Gruppe Lifestyle nach dem Attraktionspotential einer solchen Bescheidenheit gegenüber der Welt.

Im Shop des MCACM – dem Museum of Contemporary Art, Department of Cleaning and Maintenance – stellt sich im Anschluss an Marcel Broodthaers zudem die Frage nach der abwesenden Institution, deren Kunst hier in Form von Kommerz zu sehen ist. Was für eine Gesellschaft wäre das, in der selbst ernsthaft unheroische Tätigkeiten Platz auf den wertvollen Regalflächen des kulturellen Gedächtnisses fänden? Heute stehen Putzen und Pflegen in der Rangfolge der Arbeitsteilung ganz unten. Kaum jemand, der diese Tätigkeit nicht lieber delegieren möchte. Aber Gleichheit bedeutet auch, solche Hierarchisierungen aufzugeben.

Ist es möglich, beim Putzen gut auszusehen? Ist es möglich, beim Putzen cool zu sein? Die gesellschaftliche Bildproduktion war früher ein Privileg, dessen Resultate wir heute im Museum bestaunen. Inzwischen werden die Bilder vom Markt gemacht, verwandelt Instagram unser Begehren in Konsum. Lässt sich dieser Prozess umkehren? Was passiert, wenn die Warenform nicht das Ergebnis, sondern der Ausgangspunkt eines Bedeutungstransfers ist? Im Museumsshop wird üblicherweise das Einzigartige massentauglich aufbereitet, im MCACM – Store – erfahren wir das Alltägliche als Besonderheit. In der ikonischen Wiederholung der Objekte lassen sich – mit etwas Fantasie, mit etwas Hoffnung – Spuren einer anderen Lebensweise entdecken.

Gruppe Lifestyle mit Maria Evridiki Poulopoulou, Kathrin Schömer und Stephan Becker, in Kollaboration mit S.T.I.F.F. Florentin Steininger & Till-Moritz Ganssauge

Als situatives Kollektiv beschäftigt sich die Gruppe Lifestyle mit dem Spannungsfeld zwischen leeren Lifestyle-Versprechen und dem Potential neuer Lebensweisen im Sinne der ursprünglichen Bedeutung des Begriffs. Sie versteht sich als Interessengruppe und Selbsthilfeorganisation, ihr Ziel ist mehr Schönheit im Alltag.
WWW.GRUPPELIFESTYLE.COM

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