Das wachsende (Bau)Haus geht auf Wanderschaft

Geschrieben am 30.05.2020
Kategorie(n): ARCH+ news, Bauhaus, Dessau, experimenteller Holzbau, Design-Build

2020: Dessau
2021ff: N.N. (Bewerbungen bis 15.7.2020)

Das wachsende (Bau)Haus auf Wanderschaft

Letzten Sommer errichteten Studierende der Uni Kassel in Kooperation mit constructlab den bisher nicht realisierten Entwurf des Bauhauslehrers Ludwig Hilberseimer für ein Wachsende Haus von 1930/32 erstmals auf dem dafür vorgesehenen Originalgrundstück in Dessau-Törten. Es ist dort temporär Teil des seit 2017 als UNESCO-Welterbe eingetragenen Ensembles der Laubenganghäuser des Bauhauses unter Hannes Meyer. 

Am Pfingstsonntag, den 31. Mai öffnet das Haus wieder zur Besichtigung bis zum 11. Oktober 2020:
Freitags von 14 – 17 Uhr
Sonntags 12 – 16 Uhr

Adresse: 06849 Dessau-Törten, Mittelbreite 12
Das Tragen von Nase-Mund-Schutz ist im Hause verpflichtend.

Auch außerhalb der Öffnungszeiten ist das Außengelände mit einer Outdoor-Ausstellung zu besichtigen, und aufgrund der großen Verglasungen lässt sich auch viel vom Inneren sehen.

In einer Art Re-Enactment der 90 Jahre zuvor erfolgten Realisierung der Laubenganghäuser durch Studierende der Bauabteilung des Bauhauses unter Leitung von Hannes Meyer wurde das Wachsende Haus von Ludwig Hilberseimer nun im Jahr 2019 in einem Design/Build- Prozess realisiert. Auf Grundlage von Planungen der Studierenden der Universität Kassel wurde das Haus unter Anleitung des Baukollektivs “Constructlab“ in Selbstbauweise errichtet. Ähnlich wie bei den Neuen Meisterhäusern erfolgte die „Rekonstruktion“ als eine innovative Aneignung.

Design/Build heißt, dass Studierende das Gebäude nicht nur entwerfen, sondern auch selber bauen. Diese heute vielerorts verfolgte Praxis entstand in den 1960er Jahren in Folge einer Kritik des tradierten Rollenverständnis von Architekten und Planer und den üblichen Formen der Ausbildung. Vorläufer ist Taliesien West von Frank Lloyd Wright, das Black-Mountain-College sowie das Bauhaus Dessau. Hier hatte Hannes Meyer erstmals Bauprojekte gemeinsam mit Studierenden realisiert.

Die Konstruktion ist so entwickelt, dass das Haus schnell und einfach in Eigenleistung auf- und abzubauen ist und dadurch den Standort wechseln kann. Mit dem Wandern des Hauses kann sich auch die Nutzung ändern, das Prinzip bleibt dabei erhalten. Die Nutzung ist saisonal, da auf eine Wärmedämmung nach heutigen Standards verzichtet wurde, um dem Charakter der historischen Planung nicht zu entstellen.

Mit Auslaufen des Pachtvertrags wird das Haus Ende Oktober in Dessau abgebaut:

Der 85 qm große Bauhausbau (modularisierter Holzbau, saisonale Nutzung, mit 2 WC und Kochnische) kann dann durch eine kulturelle oder soziale Initiative oder Institution übernommen werden.

Interessierte können sich bis spätestens zum 15. Juli 202 bewerben und auch gerne für jegliche Rückfragen jederzeit melden: dessau@bauhausbauen.de

Weitere Infos: bauhausbauen.de

Das von Ludwig Hilberseimer entworfene “Wachsende Haus” ist winkelförmig in Nord- Süd Ausrichtung auf einem ca. 250m² großen Grundstück platziert. Das Grundmodul des Hauses, indem sich Bad, Küche, Abstellraum und Wohnzimmer befinden, lässt sich in drei Ausbaustufen ressourcen- und bedarfsabhängig erweitern. In der vollen Ausbaustufe umfasst das Gebäude 85m² und bietet Platz für sechs Personen. Die Ausrichtung der Innenräume sowie die Platzierung der Fenster folgt dem Prinzip der optimalen Belichtung und der Verbindung zum Garten.

Die Struktur des Wachsenden Hauses minimiert den Flächenverbrauch und den Erschließungsaufwand eines kinderfreundlichen, urbanen Wohnens mit Garten. In Verbindung mit den Laubenganghäusern entsteht eine Mischbebauung, die an die unterschiedlichen Wohnbedürfnisse der Bewohner eines sozial gemischten Stadtteils angepasst sind. Die verschiedenen Nutzertypen profitieren dabei voneinander, da eine Verbindung von großzügigen Grünbereichen und urbanen Serviceeinrichtungen entsteht.

Das hier verwendete Konstruktionsmaterial Holz steht entgegen der gewöhnlichen Verbindung des Bauhausstils mit Glas, Stahl und Beton. Das Baumaterial hat aktuell wieder hohe Relevanz gewonnen, da es preiswert wie auch ökologisch ist. Der hohe Grad an Vorfertigung minimiert die Bauzeit und ermöglicht schnell und günstig Wohnraum zu schaffen.

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