Metropolitan Lab – HCU Hamburg:

Geschrieben am 16.05.2011
Kategorie(n): ARCH+ campus, Hochschulen, Forschung

Mastermodul »Stadt- und Regionalentwicklung im internationalen Kontext« //

Text: Jakob F. Schmid, Judith Bornhorst, Frank Othengrafen  //

In den vergangenen Jahren wurden verschiedene raumplanerische Wettbewerbe für Stadt- und Metropolregionen in Europa durchgeführt: ØresundsVisioner 2040 (2007/08), Greater Helsinki Vision 2050 (2006/07), Le Grand Paris (2007-2009). Gegenstand der jeweiligen Wettbewerbe waren teils konkrete siedlungsstrukturelle Visionen für eine nachhaltige Entwicklung der Region und ihrer Teilräume, die weit über raumbezogene Empfehlungen auf Leitbildebene hinausgehen. Metropolitan Design - eine zunehmend wichtiger werdende Gestaltungsaufgabe für Stadt-, Raum- und Regionalplaner?

abb_11_seminarposter.jpg Seminarplakat (Verfasser: Jakob F. Schmid)

In Forschung wie Praxis wird seit wenigen Jahren eine Renaissance großmaßstäblicher Visionen und eine neue Thematisierung der regionalen Maßstabsebene im Zusammenhang mit städtebaulichen Fragestellungen beobachtet. Visionäre Kreativität und gestalterisch-kommunikative Qualität sind nur einige Komponenten, wodurch sich diese Ansätze gegenüber anderen »Großen Plänen« als innovativ darstellen. Vor dem Hintergrund des Bedeutungsgewinns großräumiger Visionen sollten die Teilnehmer im Rahmen des Mastermoduls »Stadt- und Regionalentwicklung im internationalen Kontext« an der HafenCity Universität Hamburg großmaßstäbliche Entwurfsansätze am Beispiel europäischer Großstadtregionen visuell und methodisch erproben sowie die dabei gesammelten Erfahrungen reflektieren.

Das Seminar gliederte sich in einen Grundlagenblock (u.a. mit Gastvorträgen von Peter Ache, Ivo Krings, Frank Görge und Oliver Seidel), in einen Übungsblock mit Erstellung und Präsentation zweier Übungen (Analyse und Entwurf) am Beispiel einer Stadtregion sowie in die abschließende Erstellung eines reflektierenden Papers. Als Beispielregionen wurden für diesen experimentellen Ansatz die Stadtregionen Bremen, Istanbul, London, Nürnberg und Paris ausgewählt. Bei der Auswahl der Regionen galt es vor allem, die Vielfalt u.a. an planungskulturellen Kontexten, Größenordnungen, Maß an politischer Bedeutung und Entwicklungsbedingungen (u.a. Wachstum, Schrumpfung) von Stadtregionen zu berücksichtigen. Ziel war es, zu prüfen, inwiefern diese Faktoren die Herangehensweise an die Ausarbeitung großmaßstäblicher Entwürfe beeinflusst.

Übung 1 umfasste die Recherche aktueller räumlicher Entwicklungstrends sowie zukünftiger zentraler Herausforderung in der jeweiligen Stadtregion. Des Weiteren sollen die gesammelten Ergebnisse in einem »Szenarioplan« (DIN A0, Maßstab: 1: 100 000) zusammengeführt werden, welcher die Entwicklung der Stadtregion unter den recherchierten Vorzeichen in Form eines »Szenarios« - im Sinne einer Fortschreibung der identifizierten Trends – skizzieren sollte. Im Fokus standen somit noch nicht konkrete planerische Handlungsfelder, sondern die Visualisierung zukünftiger Entwicklungstendenzen auf stadtregionaler Ebene und somit auch eine zentrale Kompetenz der Planungsprofession.

Das skizzierte Szenario diente in Übung 2 als Grundlage um Gestaltungsansätze und Visionen für die Stadtregion zu entwickeln. Insbesondere die damit verbundenen siedlungsstrukturellen bzw. stadtmorphologischen, freiraumstrukturellen/-typologischen als auch infrastrukturellen Entwurfsansätze sollten hierbei im Vordergrund stehen. Der zentrale Entwurfsplan (DIN A0, Maßstab: 1: 100.000) sollte die Vision in Form eines »Metropolitanen Entwurfs« zusammenfassend visualisieren. Hauptherausforderung war hierbei – neben der zentralen Anforderung eines innovativen Konzepts bzw. einer stichhaltigen »Planungsdoktrin« – die Fragestellung, wie weit eine Komplexitätsreduktion auf regionaler Maßstabsebene reichen kann, ohne das wichtige Inhalte verkürzt dargestellt werden und zugleich eine Diskussionsbasis über die zukünftige regionale Entwicklung geschaffen werden kann.

Gemäß dem Laborcharakter des Seminars und der anfangs formulierten Fragestellung stand bei der Bearbeitung - wie auch bei der Beurteilung der Übungen seitens der Dozenten - die Art und Weise wie die Studierenden mit der stadtregionalen Maßstabsebene arbeiteten im Vordergrund. Fast alle Teilnehmer waren erstmals mit der Formulierung von konkreten Gestaltungs- und Entwicklungsansätzen auf einer Maßstabsebene jenseits des Stadtquartiers konfrontiert.

Durch den im Seminar geförderten experimentellen Umgang mit großmaßstäblichen Entwürfen wurde nicht nur eine große Anzahl an Analyse- und Szenarioplänen produziert, sondern es wurden auch trotz der relativ strikten technischen Vorgaben die verschiedenen individuellen Sichtweisen der Teilnehmer auf die Maßstabsebene (Stadt-/Metropol-)Region als Planungsraum sichtbar – ein großer Erkenntnisgewinn insbesondere auch für die Dozenten.

Die Studierenden empfanden den gestalterischen wie auch methodischen Freiraum im Rahmen der Übungen als besondere Herausforderung, die es im abschließenden Paper mit Bezug auf aktuelle Planungsdebatten und unter Beachtung wissenschaftlicher Standards zu reflektieren galt. Insbesondere diese Reflektion haben einige interessante Impulse für die Formulierung weiterer Forschungsfragen wie auch innovativer Ansätze in diesem Themenfeld geliefert, die in die weitere Forschungsarbeit des Lehr- und Forschungsrahmens »Metropolitan Lab« am Fachgebiet Stadtplanung und Regionalentwicklung einfließen werden.

Die Publikation einer Seminardokumentation ist für Sommer 2011 geplant.

Beteiligte Lehrstühle:

Fachgebiet Stadtplanung und Regionalentwicklung
Prof. Dr.-Ing. Jörg Knieling M.A.
Dipl.-Ing. Judith Bornhorst
Dipl.-Ing. Jakob F. Schmid

Fachgebiet Regionalentwicklung / -planung
Dr.-Ing. Frank Othengrafen

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