New Babylon - Architecture and Urbanism after Crisis

Geschrieben am 19.12.2012
Kategorie(n): ARCH+ news, Symposium, Finanzkrise, Krise der Repräsentation, KIT, Karlsruhe

Im  Mittelpunkt des internationalen Symposiums "New Babylon - Architecture and Urbanism after Crisis" am KIT stehen die Themen Öffentlichkeit, Ökonomie, Identität und Infrastruktur, die sich als Kernfaktoren aktueller Debatten herauskristallisieren. Was verstehen wir unter diesen Begriffen in Zukunft und welche Instrumente zur Gestaltung brauchen wir? Was kommt nach der Krise?! Damit werden zwei Themenfelder vertieft und erweitert, die in ARCH+ 204 Krise der Repräsentation und ARCH+ 205 Servicearchitekturen behandelt wurden.

Symposium New Babylon - Architecture and Urbanism after Crisis

Der in Heft 204 verhandelte Komplex findet sich während der Tagung mit der Auseinandersetzung um die Verantwortung der Politik in postliberalen Zeiten (Jón Gnarr und Andres Lepik) und um den Zusammenhang von "Öffentlichkeit und Politik" wieder. Charles Waldheim schrieb in ARCH+ 205 dezidiert über logistische Landschaften als Folge von globalen Finanz- und Warenströmen und wird dies auch auf dem Symposium thematisieren. Muck Petzet stellt seinen Beitrag auf der Architekturbiennale im letzten Jahr vor, den wir auch in Heft 208 Tokio im ausführlichen Interview mit dem Biennale-Team diskutiert haben.

Veranstalter:

Karlsruher Institut für Technologie
Fakultät für Architektur
Institut Entwerfen, Kunst und Theorie, FG Architekturtheorie
Prof. Dr. Georg Vrachliotis
http://at.ekut.kit.edu/

und

Karlsruher Institut für Technologie
Fakultät für Architektur
Institut Entwerfen von Stadt und Landschaft, FG Städtebau
Prof. Alex Wall
http://stba.iesl.kit.edu/

Konzept und Ansprechpartner:

Florian Dreher, FG Architekturtheorie: dreher@kit.edu
Kerstin Faber, FG Städtebau: kerstin.faber@kit.edu
 

Die globale Vernetzung der Kapitalmärkte und internationale Streuung der Risiken haben dazu geführt, dass aus der US-amerikanischen Immobilienkrise eine anhaltende globale Finanz- und Wirtschaftskrise wurde. Hohe Arbeitslosigkeit, Armut und Abwanderung prägen die Situation weltweit. Der Spekulationsmarkt hinterließ enteignete Wohnungen, Bauruinen und Leerstand. Gleichzeitig beginnen die finanzschwachen Länder zunehmend mit dem Ausverkauf städtischen Eigentums und ihrer Ressourcen.

Die globale Finanzkrise ist zu einer urbanen Krise geworden. Unser Symposium möchte die Ursachen, ihre Folgen und mögliche Lösungsansätze für die Entwicklungen in Städtebau und Architektur diskutieren. Wo machen sich erste Veränderungen bemerkbar, wie reagiert die Gesellschaft auf diesen Umbruch? Welche Position nimmt der Einzelne ein, welche die Politik und welche die Gestalter?

Im Mittelpunkt stehen Fragen zu Öffentlichkeit, Ökonomie, Identität und Infrastruktur, die sich als Kernfaktoren aktueller Debatten herauskristallisieren. Was verstehen wir unter diesen Begriffen in Zukunft und welche Instrumente zur Gestaltung brauchen wir? Was kommt nach der Krise?!
 

English version:

The global network between capital markets and the international distribution of risks has meant that the USA’s sub-prime crisis has become a continuing global financial and economic crisis. Unemployment levels, poverty and emigration rates are rising worldwide. The speculation of the financial market has resulted in foreclosures and evictions, vacancy and abandoned construction sites. At the same time, cities and regions have began to privatize public ser­vices, city-owned property, as well as common goods. The global financial crisis has become an urban crisis.

Our symposium would like to discuss its causes, repercussions and possible problem-solving solutions for the developments in urban planning and architecture. Where are the changes first perceived, and what is society’s response to this upheaval? Which positions are taken by the individual, by government policies and by designers?

The main focus lies on the issues of public space, economy, identity and infrastructure, which emerge as key factors in the current discourse. What will we make of these notions in the future, and which tools do we need for shaping? What happens after the crisis?!

Termin: 31.01. – 01.02.2013
Teilnahme
: kostenlos
Anmeldung: bis 23. Januar 2013
Spachen / Languages: Deutsch & English
Parcticipaltion: free of charge
Registration:
until 23th January 2013
anmeldung@after-crisis.com

Venue
Karlsruhe Institute of Technology
Faculty of Architecture
Lecture Hall Egon Eiermann
Geb. 20.40, Englerstrasse 7
76131 Karlsruhe

 

Programm

Donnerstag, 31. Januar 2013

6.30 pm Greetings
Prof. Dr. Georg Vrachliotis, Department of Architectural Theory, KIT

6.45 pm Introduction
Prof. Alex Wall, Department of Urban Design, KIT

7.00 pm Post-Neoliberal City – The Responsibility of Politics*
Jón Gnarr, Mayor of Reykjavik

7.45 pm Moderators of Change – The Social Dimension of Architecture
Prof. Dr. Andres Lepik, Curator and Art Historian, Director of the Museum of Architecture at the Technical University Munich

8.30 pm Discussion

9.00 pm Conclusion

* working title

 

Freitag, 01. Februar 2013

 

09.00 am Welcome
Prof. Alex Wall, Department of Urban Design, KIT

09.10 am Introduction
Florian Dreher, Department of Architectural Theory, KIT
Kerstin Faber, Department of Urban Design, KIT

Öffentlichkeit und Politik

Weltweit haben sich neue Demonstrationsbewegungen (Occupy) im urbanen Raum sowie im digitalen Netz gebildet. Von welchem öffentlichen Raum können wir hier noch sprechen, wenn sich die Grenzen durch Privatisierung und Bannmeile verschärfen? Ist die Netzgemeinschaft der letzte Ort einer Res Publica? Welche Chancen bieten die neuen digitalen Netz- werke für den urbanen Raum? Welche neuen Formen von Kooperationen sind darüber hinaus denkbar? Die Frage nach der Form von Teilhabe an der Stadtgesellschaft und ihren Ressourcen ist hier virulent.

Public Space and Politics

New demonstration movements (e.g. ‘Occupy’) have formed worldwide in the urban environment and on the digital network. What kind of public sphere can we still speak of here, when the boundaries are being tightened by privatisation and no-protest zones? Is the online commu- nity the last bastion of the ‘Res publica’? What chances do the new digital networks offer for the urban environment? Furthermore, what are the conceivable cooperations? Here, the form of participation in the urban society and its resources is a critical issue.

09.30 am Occupy – Spaces of Protest
Prof. Dr. Peter Mörtenböck, Cultural Scientist and Architect, Department of Visual Culture at the University of Technology Vienna

10.00 am Deciding the City – New Social Contracts via Social Media & Crowdfunding
Dan Hill, Designer and Urbanist, CEO of Fabrica Italy, Adjunct Professor in the Architecture Department at the University of Technology Sydney

10.30 am Republic of Harz (RoH) – A Realistic Speculation
Prof. Stefan Rettich, Architect, KARO architekten Leipzig, Professor of Theory and Architectural Design at the School of Architecture Bremen

11.00 am Discussion

11.30 am Lunch Break

Ökonomie und Wohnen

Die Immobilienblase und die daraus resultierende Finanzkrise sind in den US-amerikanischen Suburbias am sichtbarsten. Im ersten Halbjahr 2012 wurden erneut über eine Million Zwangsversteigerungen von Eigenheimen in den USA durchgeführt. Auch in Asien haben neu entstandene Gated Communities und Großwohnimmobilien mit Problemen zu kämpfen. Was passiert mit den Spekulationsobjekten, wenn es sich keiner mehr leisten kann, dort zukünftig zu leben? Wie können diese Räume geöffnet werden, wie lässt sich eine soziale, ökonomische und ökologische Integration realisieren? Wie kann das Modell der Suburbia, auch im Hinblick steigender Lebensunterhaltskosten aktualisiert werden? Welche alternativen Strategien braucht es, um bezahlbaren Wohnraum in den Städten nachhaltig zu sichern?

Economy and Housing

The real estate crisis and the resulting financial crisis are most apparent in the suburbs of the USA. In the first half-year of 2012, there were again over a million home foreclosures in the USA. In Asia too, the newly established gated communities and large residential developments are struggling. What happens to the objects of speculation if, in future, nobody can afford to live there? How can these spaces be opened up, and how can a social, economic and ecological integration be realised? How can the suburban model – also in view of the rising cost of living – be updated? What alternative strategies are needed in order to guarantee affordable housing in cities for the long term?

12.30 pm Home Speculations – Learning from Levittown
Dr. Regina Bittner, Cultural Scientist at the Bauhaus Dessau Foundation with
Dr. Michael Zinganel, Architectural Theorist and Artist, both Leaders of the Bauhaus Kolleg „After Levittown“, Dessau

1.00 pm Interrupted Spain – Beyond the Speculative Landscapes of the Financial Bubble
Isabel Concheiro, Architect, Concheiro de Montard Architects, Assistent at EPF Lausanne

1.30 pm Charter of Dubai – Strategies for Upgrading the City
Sabine Müller, Architect, SMAQ, Berlin

2.00 pm Discussion

2.30 pm Coffee Break

Identität und Kultur

Nach Jahren einer großangelegten innerdeutschen Schrumpfungsdebatte ist das Thema mit der Finanzkrise europaweit angekommen. Ursache ist hier nicht der demografische Wandel, sondern Spekulation. Besonders betroffen sind Städte und Regionen, die mit einer hohen Kapitalflucht kämpfen. Allein in Spanien standen 2009 bereits 700.000 Wohneinheiten leer. Aus Portugal sind über eine halbe Million Menschen seit 2007 ausgewandert. In Griechenland sind die Bildungs-, Kultur- und Forschungseinrichtungen von Schließung bedroht. Was bedeutet das für unser Verständnis von Baukultur und Planung hinsichtlich Tradition, Heimat und Identität? Welche Chancen bietet der Bestand, und welche Instrumente der Aneignung und Pflege müssen entwickelt werden? Was kommt nach der Schrumpfung?

Identity and Culture

After years of widespread debate in Germany about shrinkage, the financial crisis has raised awareness of the issue in Europe too. The cause here is not demographic change, but speculation. Cities and regions where large numbers of people are leaving the capitals are particularly affected. In 2009 in Spain alone, there were already 700,000 vacant dwellings. Over half a million people have left Portugal since 2007. In Greece, facilities for education, culture and research are threatened with closure. What does this mean for our understanding of the cultural domain, the built environment and urban planning activies, in relation to tradition, home and identity? What opportunities does the current context offer, and which tools for appropriation and cultivation must be developed? What comes after shrinkage?

2.45 pm The Case of Beirut – Culture and Identity in Urban Planning
Prof. Dr. Dirk Baecker, Sociologist, Department of Cultural Theory and Analysis at the Zeppelin University Friedrichshafen

3.15 pm Architecture as Resource – Reduce/Reuse/Recycle*
Muck Petzet, Architect, Muck Petzet und Partner Architekten, Visiting Professor at the Technical University Munich

3.45 pm D.I.Y. Urbanism – Activating Planning Practices
Prof. Klaus Overmeyer, Landscape Architect, Urban Catalyst Studio Berlin, Professor of Landscape Architecture at the University of Wuppertal

4.15 pm Discussion

4.45 pm Coffee Break

Infrastruktur und Umwelt

Wie viel Infrastruktur können wir uns in Zukunft noch leisten? Im Hinblick auf die Ressourcenknappheit und damit verbundenen Preisentwicklungen gewinnen die dezentralen erneuer- baren Infrastrukturen an Gewicht: die Produktion von Energie, Reinigung von Wasser, Erzeugung gesunder Lebensmittel, Erhalt der Artenvielfalt, Verbesserung des Stadtklimas und Reduzierung des CO2. Die Ökosystemdienstleistung wird zunehmend Wirtschaftsmotor. Welches Ent-wicklungspotenzial bieten diese Tendenzen für den Raum? Welche Auswirkungen hat das auf die Planung und Gestaltung von Stadt? Welche Lebens- und Raummodelle sind denkbar?

Infrastructure and Environment

How much infrastructure will we be able to afford in future? In view of the shortage of resources and the associated price surges, the decentralised renewable infrastructures are becoming increasingly important: energy production, water purification, production of health foodstuffs, preservation of bio-diversity, improvement of the urban climate and the reduction of CO2 emissions. The economy is increasingly being driven by the ecosystem services. What development potentials do these trends present for the environment? What effects does this have on the planning and design of the city? What are the conceivable spatial models?

5.15 pm Infrastructural Urbanism – Between Landscape, Technology and Urbanism*
Prof. Charles Waldheim, Architect, John E. Irving Professor and Chair of Landscape Architecture at Graduate School of Design, Harvard University, Cambridge

5.45 pm City 3.0 – The Living City?
Andrew Comer, Engineer, Buro Happold, London

6.15 pm Basin City – Productive Landscape Urbanism*
Freek Persyn, Architect, 51N4E Brussels, Visiting Critic at the Academy of Architecture Mendrisio and the Berlage Institute Rotterdam

6.45 pm Discussion

7.15 pm Resume
Prof. Alex Wall

7.30 pm Conclusion

* working title

Weitere Informationen unter: www.after-crisis.com 

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