ARCH+ 215


Erschienen in ARCH+ 215,
Seite(n) 26-29

ARCH+ 215

WAI Think Tank: Das Manifest des Hardcorismus

Von WAI Think Tank /  Garcia, Cruz /  Frankowski, Nathalie

Purer Hardcorismus

Wie wär’s mit einem Manifest der perfekten Formen? Im Reich der Architektur üben die Formen eine absolute Herrschaft aus. Jahrhunderte der ununterbrochenen Suche nach einer transzendentalen Architektur zeugen davon, dass die reine Form die ultimative ästhetische Utopie ist. Der Hardcorismus ist die Theorie von Architektur als Manifestation purer geometrischer Formen. Es ist das erste endlose architekturmanifest, das den Beginn einer Architektur verkündet, die wir bereits kennen. Der Hardcorismus ist Form als Ideologie. Ideologie als Form. Architekten befinden sich auf der Suche nach den reinen Formen seit sie ein Bewusstsein für Ikonen von monumentaler Größe entwickelt haben. Die reinen Formen sind zu einer nicht enden wollenden Obsession geworden. Zu einem platonischen Fetisch. Zu einem wiederkehrenden Thema. Die reinen Formen versinnbildlichen die ultimative Sehnsucht der Menschheit: eine direkte Verbindung zu den Göttern. Form als Tempel. Religion als Geometrie. Der Hardcorismus ist unverhüllte reine Form. Er ist unverblümt, ehrlich, explizit, direkt. Er präsentiert sich als das, was er ist, und er repräsentiert das, was er präsentiert. Kein Dekor. Kein Verbrechen. Kein Ornament. Keine Struktur. Keine Ablenkungen. Kein Programm. Keine Entschuldigungen. Keine Dialektik. Keine Nutzerperspektive. Keine Zaubertricks. Keine Diagramme. Archetypen von Jung ́schen Dimensionen: Der Hardcorismus ist reine Symbolik, eingebettet ins kollektive Unbewusste. der Hardcorismus ist Architektur, gemacht für Fotografie, für Gravierung, für Modellbau. Der Hardcorismus ist emphatisch, endgültig. Er ist reduktionistisch. Der Hardcorismus ist Architektur als Architektur. …

 

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