ARCH+ 215


Erschienen in ARCH+ 215,
Seite(n) 88-93

ARCH+ 215

Christian Kerez: House With One Wall

Von Kerez, Christian /  Reese, Achim

Christian Kerez versteht jedes seiner Projekte als Experiment. Umso wichtiger ist es daher, so der Zürcher Architekt, vorab die „Spielregeln“ festzulegen. Das Apartmenthaus in der Zürcher Forsterstraße, das er für seine Mutter entwarf, sollte beispielsweise kein abgeschlossenes Volumen bilden, sondern nur aus Wandscheiben bestehen. Kerez übt sich hier in jener destruction of the box, die Frank Lloyd Wright zu einem Paradigma der Architekturmoderne erhob und die in Mies van der Rohes Barcelona-Pavillon den deutlichsten Ausdruck fand. Für das nachfolgende Projekt, ein Doppelhaus am Hang, führte Kerez bloß eine Regel ein: Nur eine einzige Wand, die das Haus in zwei schmale, tiefe Wohneinheiten gliedert, soll die Geschosse tragen und die Räume formen. So wird die modernistische Trennung zwischen Raumabschluss und statischem System, wie sie Le Corbusier in seiner Maison Dom-ino demonstrierte, aufgehoben. Die Gegenüberstellung der beiden Zürcher Wohnhäuser zeigt, dass Kerez sein Regelwerk jenseits architekturideologischer Demarkationslinien entwickelt. Vielmehr folgt jede seiner Arbeiten, allesamt autonome Projekte, jeweils eigenen Gesetzmäßigkeiten. …

 

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